Schutzstation Wattenmeer


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Schutzstation Wattenmeer ruft zum "Dolphinwatch" auf!

Westerland/Sylt
Die Schutzstation Wattenmeer in Hörnum ruft Ausgucker, Strandläufer, Seefahrer, Segler Biologen und sonstige Meerbegeisterten an der Küste auf, nach Delfinen Ausschau zu halten und Sichtungen von Kleinwalen zu melden.
Anlass ist ein Erlebnis von Rettungsschwimmern aus Rantum auf Sylt. Die erfahrenen Beobachter Stefan Bucken und Robert Gärtner vom Strandabschnitt "Samoa" sahen vorgestern mehrere Gruppen von delphinartigen Tieren in rund 200 m Entfernung vom Strand vorbeiziehen. Insgesamt waren es über 30 dunkle Rückenfinnen, die fast synchron auf-und abtauchten. Unter den Meeressäugern waren einige, die mit Sicherheit über 2 m lang waren, einige der
überwiegend hell gefärbten Tiere sprangen sogar mit dem ganzen Körper aus dem Wasser.

"Die Beobachtungen deuten darauf hin, daß es sich bei dieser Sichtung nicht um die vor Sylt fast täglich zu sehenden kleinen Schweinswale (Phocoena
phocoena) handelte, die maximal eine Länge von 1,8 m erreichen", meint Lothar Koch, Biologe bei der Schutzstaton Wattenmeer. "Es ist nicht auszuschließen, daß sich Delphine auf der Suche nach Nahrung vor unsere Küste verirrt haben, so wie es bereits im Juni dieses Jahres von der Ostsee gemeldet wurde". Dort waren einige Exemplare des "Gewöhnlichen Delphins" (Delphinus delphis), erstmalig seit fast 100 Jahren wieder vor Mecklenburg Vorpommerns Küste aufgetaucht und erst dieser Tage sogar im Lübecker Hafen gesichtet. Auch in der Nordsee gelten Gewöhnliche Delphine als sehr selten.

Denkbar ist aber auch, daß sich zur Zeit Weißschnautzendelphine (Lagenorhynchus albirostris) vor Nordfrieslands Küste aufhalten, die bei uns am Wattenmeer zwar selten, in der nördlichen Nordsee jedoch häufiger beobachtet werden. Erst am 2. Juli mussten Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Hooge einen Kadaver dieser Delphinart bergen. Der als "Flipper" aus Delphinarien und Filmen bekannte "Große Tümmler" (Tursiops truncatus) scheidet nach Ansicht von Lothar Koch in diesem Fall aus.

Diese
Tierart gilt in der südlichen Nordsee schon lange als ausgestorben. Um eine sichere Bestimmung der vor Rantum gesichteten Kleinwale zu ermitteln, sind weitere Sichtungen erforderlich. Daher bittet die Schutzstation um telefonische Meldung von Wal- und Delphinsichtungen, mit der Angabe von Ort, Datum, Uhrzeit etc.: Tel: 04651/881093



Schutzstation Wattenmeer kündigt weiteren Widerstand gegen Kabelprojekte

durch die Kernzone des Nationalparks an

Die Schutzstation Wattenmeer sieht in der heutigen Genehmigung des VikingCable durch das Brandgansmausergebiet und die Kernzone des
Nationalparks eine fatale Fehlentscheidung.

Kernpunkt der Kritik ist, daß mit der Genehmigung der Trasse durch den Nationalpark gleichzeitig eine Vorentscheidung für die Anlandung der weit
größeren Strommengen aus den Off-shore-Windparks gefallen ist. Nach den bisherigen Aussagen der Landesregierung sollen alle Starkstromkabel gebündelt an die Küste geleitet werden. Daher sind jetzt im südlichen Nationalpark jahrelange Bauarbeiten verschiedenster Kabelprojekte vorprogrammiert. Rainer Schulz, Biologe der Schutzstation Wattenmeer,
hierzu: "Mit den großen Kernzonen und dem einzigartigen Brandgansmausergebiet ist kaum ein Bereich des Wattenmeers schlechter für die Verlegung solcher Megakabel geeignet".

Zugleich leistet die Landesregierung den aktuellen Bemühungen, das Dithmarscher Watt besser zu schützen, einen Bärendienst. Welchen Sinn haben
freiwillige Nutzungsbeschränkungen von Sportschiffern oder Fischerei, wenn zugleich monatelange Bauarbeiten genehmigt werden?

Das Genehmigungsverfahren weist aus Sicht der Schutzstation Wattenmeer schwere Mängel auf. Rainer Schulz: "Es wurde überwiegend untersucht,
wie die Auswirkungen der Trasse durch den Nationalpark gering gehalten werden können. Eine ernsthafte Prüfung, ob man das Watt insgesamt umgehen kann, fand jedoch nicht statt. Letztendlich haben die Stromkonzerne genau die Trasse erreicht, die sie von Anfang an wollten. Zusammen mit den
weiteren anstehenden Kabelprojekten kommen starke Beeinträchtigungen auf den Nationalpark zu, die auch durch Ausgleichsgelder nicht zu beheben ist.
Die Schutzstation Wattenmeer wird daher auch weiterhin gegen die Verlegung dieses Kabels Widerstand leisten."



Flaschenpost der Kleinwale vor Sylt

wurde heute auf Sylt dem Landes-Umweltminister Klaus Müller von Fiete Brunk (9 Jahre) anlässlich einer Aktion der Schutzstation Wattenmeer
verlesen.

Lieber Umweltminister von Schleswig Holstein, lieber
Bundesumweltminister und lieber Bundesverkehrsminister,

wir Kleinwale möchten uns dafür bedanken, daß Schleswig Holstein ein Walschutzgebiet für uns eingerichtet hat, in dem wir hoffentlich in
Zukunft ungestört kalben und fischen können.
Wie Ihr wißt, lieben wir die Gewässer vor Sylt und Amrum, um unsere Neugeborenen in den warmen Prielen, ganz nah am Strand, das Fischen
beizubringen.
Dazu brauchen wir unter Wasser ausreichend Nahrung und Ruhe. Die Lustigen Zweibeiner mit ihren komischen Schwimmbewegungen stören uns nicht. Wenn aber schnelle Flitzer und dicke Schnellfähren über uns hinwegbrausen, wird es ziemlich gefährlich. Bitte sorgt nun endlich dafür, daß das in Zukunft
nicht passiert.
Wir wollen auch keine Bomben von Bundeswehr oder Nato auf den Kopf kriegen und nicht überall den Lärm unter Wasser hören, der von Bau-und Betrieb
der zahlreichen Offshore-Windparks ausgehen wird. Wir Wale haben nämlich ein ganz besonders empfindliches Gehör.
Vor allem haben wir Angst vor Stellnetzfischern und Gammelfischern. In deren Netzen kommen jährlich rund 7000 unserer Brüder, Schwestern und Kinder
um.
Wie wir von unseren Freunden der Schutzstation Wattenmeer erfahren haben, schützt uns das Walschutzgebiet aber gar nicht vor diesen Netzen.

Bitte sorgt dafür, das wir an Euren Ufern auch in Zukunft sicher sind! Sonst hauen wir hier für immer ab.

Eure kleinen Schweinswale



Klaus Müller -Walkampf auf Sylt
--
Schutzstation Wattenmeer mahnt Schutzwirkung des Walschutzgebietes an Klaus, mach Dampf für kleine Wale!


Westerland/Sylt
Die Schutzstation Wattenmeer stoppte heute um 10:15 Uhr den Landesumweltminister Klaus Müller anläßlich dessen Besuches auf der Insel Sylt und überreichte ihm eine "Flaschenpost der Kleinwale" mit der Aufschrift: "Klaus, mach Dampf für kleine Wale". Müller wurde gebeten, diese auch an den Bundesumwelt- und Bundesverkehrsminister weiterzuleiten.
Damit demonstrieren die Naturschützer für "effektiven Walschutz im einzigen deutschen Walschutzgebiet"und fordern den Umweltminister auf, die schleppenden Verfahren zur Verbesserung der Schutzwirkung des
Nationalparkgebietes, in den zuständigen Ressorts auf Landes-und Bundesebene zu beschleunigen.
Im Dezember 1999, feierte die rot-grüne Landesregierung die Ausweisung des ersten deutschen Walschutzgebietes vor Sylt und Amrum noch als
Haupterfolg ihrer heiß umstrittenen Nationalparkgesetz- Novellierung. Fast zwei Jahre
später präsentiert sich das Schutzgebiet für die Kleinwale immer noch als rechtlich unvollständiger Torso ohne Außenwirkung.
"Wo Walschutz drauf steht muß auch Walschutz drin sein" schimpft Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer mit Blick auf die Nordsee
vor Sylt und kritisiert die "Mañana-Haltung" von Land und Bund hinsichtlich der
Umsetzung des realen Kleinwalschutzes in Deutschland´s einzigem Walschutzgebiet. In der von dem kleinen Fiete Brunk (9 Jahre) verlesenen
Flaschenpost kritisieren die Kleinwale gemeinsam mit der Naturschutzgesellschaft u.a. folgende Punkte:

1. Die Wirkung des Schutzgebietes gegenüber der internationalen Fischerei ist bislang wirkungslos, weil das für Fischerei zuständige Landesministerium
für Ländliche Räume, Landwirtschaft und Tourismus den Antrag auf notwendige Ratifizierung durch die EU nicht zügig bearbeitet,

2. Ein Tempolimit zum Schutz der kleinen Wale vor Schnellfähren und Speedbooten existiert nicht, weil das zuständige Bundesverkehrsministerium erst die Novellierung von Nationalparkgesetzen in Niedersachsen und Hamburg abwartete und ohnehin nur die Ausweisung einer Befahrensregelung in Betracht zieht, wenn die drei Watt-Küstenländer diese aktiv einfordern. Dies ist bislang nicht geschehen.

3. Selbst in den amtlichen Seekarten und Nachrichten für die Schiffahrt existiert das Walschutzgebiet und auch die übrigen neuen Zonierungen des
Nationalparkes schlichtweg nicht.

4. Auch in der zweiten Sommersaison nach Einrichtung des Schutzgebietes fehlen auf den Urlaubsinseln Sylt und Amrum jegliche amtliche Hinweise und
anschauliche Information für Einheimische und Urlauber zu Sinn, Zweck und Regelungen des Walschutzgebietes.

5. Unmittelbar seewärts des ausgewiesenen Walschutzgebietes forciert die
Bundesregierung den Aufbau einer Offshore Industrie mit fast 1000 Großwindanlagen in zahlreichen Windparks verschiedener Firmen, ohne ein
hinreichendes Raumordnungsverfahren im Sinne des Naturschutzes durchzusetzen.


Seehundjagd eröffnet?
Westerland, 29.6.01

Dänen wollen 6000 Seehunde abschießen

Dänische Nebenerwerbsfischer stellten jetzt die Forderung auf, 6000 der11000 in dänischen Gewässern vorkommenden Seehunde zu töten. sie sehen die geschützten Meeressäuger als lästige Konkurrenz ihrer Stellnetzfischerei an.
Dagegen protestiert die Schutzstation Wattenmeer: "Wenn die Dänen im Wattenmeer Seehunde jagen setzen sie die internationale Wattenmeer-Kooperation auf´s Spiel." so Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt.

Die Zahl von 11000 dänischen Seehunden verteilt sich auf verschiedene Populationen, die in der Ostsee dem Kattegat, Skagerrak, dem Limfjord und dem Wattenmeer leben. Für das Wattenmeer hat die Dänische Regierung bereits innerhalb der trilateralen Wattenmeerkooperation mit Deutschland und Holland
versucht das Jagdverbot aufzuheben, weil ein einziger dänischer Wattenmeerfischer sich über Verluste in seinen Stellnetzen beklagte und in Dänemark das Mittel der Entschädigungszahlungen nicht möglich ist.
Dieses scheiterte jedoch an dem Veto der beiden Nachbarstaaten. In der Ostsee versuchten Dänemark, Schweden und Finnland bereits gegen den Widerstand
von Deutschland und Polen die Jagd auf die streng geschützten Kegelrobben zu eröffnen. Nun hat Schweden 180 Exemplare zum Abschuß freigegeben und verstößt damit gegen internationales Recht.
Soweit darf es im Wattenmeer nicht kommen, warnt Biologe Koch . Die Seehunde in dänischen Watten sind auch deutsche und holländische Seehunde. Ein
Abschuss würde den langwierig erzeugten Effekt unserer Nationalparke schnell zunichte machen.
"Hier in den Nationalparken Wattenmeer sind die Seehunde seit dem Jagdverbot sind die Seehunde im Watt zutraulicher geworden. Urlauber lieben es,
die Tiere beim Strandspaziergang zu beobachten.", so Koch.

Tel: 04651/26088, 01702146225

Hintergrund-Informationen

Experten: Bejagung von Seehunden nicht zu rechtfertigen

Der in den letzten Jahren stetig anwachsende Seehundbestand im Wattenmeer sorgt zunehmend für Unruhe an der Küste. Besonders aus Fischer- und
Jägerkreisen ist die Auffassung zu vernehmen, der Bestand müsse unbedingt wieder bejagt werden. Nun haben dänische Nebenerwerbsfischer mitten in
der Säugezeit der Seehunde mit ihrer Forderung nach dem Abschuss von 6000 Tieren allein in dänischen Gewässern für Empörung bei Naturschützern und
Touristen gesorgt.

Deutsche Wildbiologen halten vehement gegen diese Forderung: "Eine Wiederaufnahme der Bejagung, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu rechtfertigen und auch nicht jagdgerecht durchzuführen", meinen unisono die Biologen Kai Abt vom Forschungs-und
Technologiezentrum Büsum, Thomas Borchardt aus dem Nationalparkamt Schleswig Holsteinisches
Wattenmeer und Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer. Sie weisen jedoch auch darauf hin, daß die Tötung von vereinzelt an Stränden angelandeten, kranken Heulern durch
Sie weisen jedoch auch darauf hin, daß die Tötung von vereinzelt an Stränden angelandeten, kranken Heulern durch fachkundige Seehundjäger
notwendig sein kann.
Wattreport stellt hier ihinblick auf Seehunde im Wattenmeer den Hauptargumenten von Fischern und Jägern Aussagen aus Wissenschaft und Naturschutz gegenüber:

Argument Nr. 1:
Es gibt viel zu viele Seehunde
Gegenargumente: Wer kann beurteilen was viel und was wenig ist?
Konkrete Bestandszahlen aus einer jagdfreien Zeit existieren nicht. Lediglich Hochrechnungen aus historischen Jagdstatistiken. Diese schätzen
den Bestand zur Jahrhundertwende (1900) für das internationale Wattenmeer etwa doppelt so hoch ein wie die derzeit gezählte Individuenzahl von
ca. 17 000 Tieren (geschätzter Bestand bis zu 30% höher). Offensichtlich verwechseln die Jagdbefürworter das historische
Bestandsminimum Mitte der 1970er-Jahre (unter 4000 Tiere) mit der möglichen natürlichen tragfähigen Bestandsgröße. Das niedrige Bestandsniveau war
jedoch durch die lukrative Jagd auf den Seehundspelz künstlich erzeugt worden.

Sollten wir es nicht der Natur selbst überlassen zu bestimmen, wie viele Seehunde im Watt leben können?
Die heutige Bestandsgröße kann ohnehin nicht mit der Flinte reguliert werden- Wie sollten denn 10-20.000 Seehunde vernichtet werden, um wieder einen Bestand "wie damals" zu erhalten?

Die Natur regelt sich in Großschutzgebieten selbst: über das Raum-und Beuteangebot wird die Kapazitätsgrenze einer räuberischen Art in ihrem
Lebensraum bestimmt.
Platznot ist für Seehunde im Watt nicht auszumachen. Selbst bei steigendem Bestand ändern sich die Dichten lokal kaum. Die ohnehin stets engliegenden,
sozialen Tiere nutzen zur Zeit die optimalsten Liegeplätze. Viele weitere Sandbänke im Watt würden bei aufkommendem Dichtestress noch zur Verfügung stehen.
Beispiele aus Südafrika, Großbritannien und Amerika zeigen zudem, daß Robbenkolonien anderer Arten mit erheblich höheren Dichten ohne Probleme existieren können.

Argument Nr. 2:
Krankheiten und Seuchen sind bei den aktuellen Bestandszahlen vorprogrammiert. Der Seehundbestand muß "gesundgeschossen werden".

Gegenargumente:
Das in diesem Zusammenhang oft zitierte und heraufbeschworene Seehundsterben von 1988 fand bei einem Bestand von rund 10.000 Tieren im
internationalen Wattenmeer statt. Wenn das Dichte-Argument gelten sollte,
hätte es also schon längst wieder ein Massensterben geben müssen.

Auch die Gleichung: Kleiner Bestand = größere Gesundheit geht nicht auf:
In den 1970er und 1980er-Jahren waren die Seehunde bei einer Bestandsgröße von unter 7000 Exemplaren bereits sehr stark mit Parasiten (vor allem
Herz- und Lungenwürmern) durchseucht und hatten außerordentlich oft große, deutlich sichtbare Bauchwunden. Diese Wunden hatten sie sich bereits
als Jungtiere bei der häufigen Flucht vor Störungen von den Liegeplätzen ins Wasser zugezogen. Beim Robben über den Sand infizierte sich der noch
unverheilte Nabel und heilte später nicht ab.
Erst nachdem 1974 die Jagd auch in Schleswig Holstein beendet wurde nahm der Bestand ab ca. 1978 langsam wieder zu. Später folgten Schutzzonen,
Nationalpark und Befahrensregelung. Dies dürfte zur Abnahme von Fluchtbereitschaft und Streß beigetragen und sich positiv auf die Tiere ausgewirkt haben.
Die Sterberate, gerade bei Jungtieren, halbierte sich und die Population begann zügiger zu wachsen. Auch heute gibt es kränkelnde Seehunde, wo es
gerechtfertigt ist, diese fachgerecht zu töten, um ihr Leiden zu verkürzen.
Insgesamt wird der Gesundheitszustand der Population im Vergleich zu den Siebziger Jahren jedoch als relativ gut eingeschätzt. Das Argument, daß der bejagte, kleinere Seehundbestand damals viel gesünder
gewesen sei, ist also falsch.

Argument Nummer 3: Die Seehunde sorgen für den Zusammenbruch der Fischbestände im Wattenmeer.

Gegenargumente:
Die Größe der Fischbestände wird eindeutig überwiegend von der Fischerei bestimmt. Die Seehunde müssen davon leben, was der Mensch im Meer übrig läßt. Nordseeweit "ernten" sie etwa nur 1 % des Fischbestandes ab.

Die Fischereistatistiken der vergangenen Jahrzehnte zeigen unmissverständlich, daß viele Fischarten in der Nordsee schon überfischt waren, bevor der Seehundbestand auch nur annähernd seine gegenwärtige Größe erreicht hatte. An den Robben kann es daher nicht gelegen haben.

Die Fischereibiologen können aber nachweisen, daß nur eine Absenkung des Fischereiaufwandes zur Erholung von Fischbeständen führen kann. Das
problematischste "Raubtier" auf dem Meer ist also der Mensch.

Britische Wissenschaftler haben zum Beispiel für die dort heimischen 120 000! Kegelrobben nachgewiesen, daß diese nur einen verschwindend geringen
Teil der Zielarten der Fischerei wegfressen.

Eine Studie über die ca. 1 Million südafrikanischen Seebären vor Namibia zeigt, daß die Wirkung auf den Fischbestand, der durch die moderne Fischerei
verursacht wird, sehr viel größer ist als der durch die Robben verursachte.

Das Argument, Robben machten den Fischern ernsthafte Konkurrenz, ist somit in keiner Weise belegt.
Wenn Nebenerwerbs-und Hobbyfischer sich darüber aufregen, daß Seehunde vereinzelt in ihren Netzen räubern (und sich nicht selten darin selbst
ertränken) darf das kein Argument für die Bejagung des Bestandes sein.

Argument Nr. 4
Seehunde haben keine Feinde, daher müssen sie vom Menschen reguliert werden.

Gegenargumente:
Welche natürlichen Feinde sollen die Seehunde denn jemals im Watt gehabt haben? Schwertwale waren hier noch nie heimisch, und auch Wölfe und
Bären haben sich noch nie auf den Sandbänken anschleichen können. Seehunde sind bei uns die natürlichen Endglieder der Nahrungskette-und das ist schon immer so gewesen.

Und außerdem- Der Nationalparkeffekt:

Immer mehr Urlauber freuen sich darüber, daß sie öfter wildlebenden Robben beim Strandspaziergang oder bei Fahrten zu den Seehundbänken im
Nationalpark begegnen.
Die Tiere haben nicht mehr so hohe Fluchtdistanzen, wie zu Jagdzeiten im Wattenmeer. Ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt für die Attraktivität
unserer naturnahen Urlaubsregion, von der wir alle leben.
Eine Bejagung der Seehunde würde also massiv dem Naturimage der Westküste und damit dem Tourismus schaden.


Watt-ID: 31

Clean Hunter stört Vögel und Robben
NATO-Tieffliegereinsätze stören zur Brut- und Seehund-Setzzeit im Wattenmeer

Clean Hunter" nervt Natur
Rendsburg/Husum 19.6.2001 14.45

Trotz langjähriger Proteste der Schutzstation Wattenmeer beharrt die NATO offenbar darauf, den Luftraum über dem Nationalpark Wattenmeer als
Manövergebiet zu mißbrauchen. Gestern hat die NATO-Übung "Clean Hunter 2001" begonnen, während der Tiefflieger wieder donnernd über Kurorte,
Seehundbänke und Brutkolonien im Bereich des Nationalparkes Schleswig Holsteinisches
Wattenmeer fliegen sollen. "Ausgerechnet zur sensibelsten Zeit im biologischen Jahresgang des Wattenmeeres sind solche Manöver nicht zu
verantworten", protestiert Biologe Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer: "Viele Seevogelarten versuchen ihre Brut ungestört zu verrichten
und bei den Seehunden hat soeben die Wurfzeit begonnen." Das Manöver über dem Nationalpark soll noch bis zum 29.6. andauern. Die Schutzstation
Wattenmeer wird jede Störung registrieren und melden.

"Dabei ist Natur und Mensch am Wattenmeer dieses Jahr schon durch das schlechte Wetter arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Da muß die Nato
mit ihrem Manöver "Clean Hunter" Vögeln, Robben und Menschen nicht noch zusätzlich auf die Nerven gehen", so Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation
Wattenmeer. Bereits zweimal gab der überwiegende Teil der bodenbrütenden Seevögel wegen stürmischer Überschwemmungen ihre Nester dieses Frühjahr
auf und in der Seehundaufzuchtstation Friedrichskoog landeten bereits vor Beginn des Manövers 10 Seehundheuler. Weitere drastische Störungen könnten den Brut-und Wurferfolg gefährdeter Arten für dieses Jahr endgültig zunichte machen.

"Verweise der Bundeswehr, es würde sich hier um ein internationales Manöver handeln, dessen Terminierung wegen der übrigen Natopartner nicht zur Disposition stünde, sind nicht stichhaltig. Schließlich spielen sich
die Brutzeit der Vögel und die Setzzeit der Seehunde jedes Jahr europaweit zur gleichen Zeit ab. Zudem ist der sensible Nationalpark Wattenmeer als ein
international bedeutendes Schutzgebiet in Europa bekannt. Hingegen werden Natomanöver routinemäßig langfristig geplant und können in weniger sensible
Zeiten und Bereiche verlegt werden.", so Koch.

Zwar darf die NATO offiziell nicht unter 1000 m über den Nationalpark hinweg fliegen, aber in öffentlichen Bekanntmachungen wurde die Insel-und
Halligbevölkerung bereits darauf hingewiesen, "daß mit Störungen durch Hubschrauber und Flugzeugverkehr zu rechnen ist, der die zulässige Flughöhe
unterschreitet."

Vergangenes Jahr hatte sich der Sprecher des alliierten Luftkommandos in Ramstein nach den Beschwerden des Umweltministers zu Luftkämpfen über dem Wattenmeer noch damit entschuldigt, man würde die Nordseeküste ja nur vom eigenen Urlaub und Überflug kennen und nicht wissen, daß es ein
sensibles Naturgebiet sei. "Auf solche Ausreden wird man sich dieses Jahr nicht mehr zurückziehen können, wenn es tatsächlich zu drastischen Störungen
kommt, so die Schutzstation Wattenmeer. Die Naturschutzgesellschaft fordert ein dauerhaftes Ende militärischer Aktionen im Nationalpark.

Für Rückfragen: Lothar Koch, Schutzstation Wattenmeer Tel: 04651/26088,
01702146225



Watt-ID: 30
WINDKRAFTBOOM
WESTERLAND, 13.6.01

Offshore-Windenergie -Förderung mit mehr Rücksicht auf marine Umwelt geplant: Ende des Windspargel- Wildwuchses auf See in Sicht?Im Vorfeld des am 14.6. in Berlin beginnenden BMU-Kongresses "Offshore-Windenergienutzung und Umweltschutz" begrüßt die
Schutzstation Wattenmeer Bemühungen des Bundesumweltministeriums (BMU), die Entwicklung
der Offshore-Windkraftnutzung deutlicher in naturverträgliche Bahnen zu lenken. "Das neue Positionspapier des BMU ist ein Schritt in die
richtige Richtung" sagte Lothar Koch, Pressesprecher der Naturschutzgesellschaft. Es zielt ab auf eine abgestuften Förderung der sanften Energie, bei
gleichzeitiger Schonung der marinen Umwelt. "Wenn zusätzlich der Bundestag eine Fristverlängerung des "Windkraft-Förder-Gesetzes"(EEG) über 2006 hinaus
gewähren würde, wäre viel Zeitdruck aus der notwendigen Offshore-Diskussion genommen", so Koch.
Mit dem Inkrafttreten des "Erneuerbare-Energien-Gesetzes" (EEG) setzte Anfang 2000 ein unglaubliches "Windhundrennen" der Windkraftbetreiber-Firmen
auf lukrative Windparkflächen auf offener See ein. Obwohl die erforderliche Technologie für Offshore-Windkraftparks in der geplanten Größe noch gar
nicht existiert, wurden und werden die Claims auf hoher See abgesteckt.
Denn nur wer "seinen" Windpark bis 2006 in Betrieb hat, erhält die volle Förderung durch das EEG.
Als Folge dieses künstlich erzeugten Zeitdrucks liegen inzwischen allein für den deutschen Hochseebereich in der "Ausschließliche Wirtschaftszone" (AWZ) 13 Anträge verschiedenster Firmen für große Windparks mit über 1000 High-Techmühlen von bis zu 150 m Höhe vor, deren Auswirkungen auf die Tierwelt noch weitgehend unbekannt sind. Auf die möglichen
problematischen Folgen dieses "Windspargel Wildwuchses" auf die Fauna von Nord-und Ostsee wies die Schutzstation Wattenmeer schon mehrfach hin.
So entstünde beispielsweise zwischen Helgoland und der dänischen Grenze eine quer zur Hauptvogelzugrichtung liegende Kette einzelner Windparks, deren
Strom durch einzelne Kabel abgeführt werden müsste, die voraussichtlich durch Wattenmeernationalparke gelegt würden. Im Positionspapier des
Bundesumweltministeriums (www.bmu.de/erneuerbare-energien) spiegeln
sich jetzt viele Forderungen der Schutzstation Wattenmeer in Hinblick auf ein behutsames, raumplanerisches Vorgehen wider. So soll die
Windkraftnutzung in der deutschen Nordsee zunächst auf zwei Gebiete weit entfernt von Sylt
und Borkum konzentriert werden. Dort sollen an kleineren Pilotwindparks die Auswirkungen von Bau und Betrieb der Windmühlen auf Vogelwelt und Meeresfauna zunächst näher untersucht werden, bevor es zur Umsetzung von Großplanungen kommt. Basis der weiteren Flächenfindung sollen dann die
Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte zum Vogelzug sowie zum Verhalten von Meeressäugern oder Wanderfischen sein. "Hiermit ergibt sich
erstmals ein ernsthafter Ansatz für eine abgestimmte Gesamt-Raumplanung in den deutschen Seegebieten, bei gleichzeitiger Förderung der Windenergie.
Wichtig ist allerdings, daß dieser Ansatz auch konsequent umgesetzt wird." so die
Schutzstation Wattenmeer.


Kleinwale kalben/stranden bei Sylt


Westerland 8.6.2001

Wenige Tage nach der Strandung eines 15 m langen, toten Finnwals erlebte Sylt heute Nachmittag eine weitere Walstrandung. Diesmal handelte es sich
jedoch um ein nur knapp 45 cm langes Schweins-walbaby, das gegen 16 Uhr direkt am Brandenburger Strand den Mitarbeitern der Surfschule Westerland
vor die Füße gespült wurde. Auf den Rat der alarmierten Schutzstation Wattenmeer, wurde das lebende Walkalb von einem Schwimmer wieder in die
Nordsee zurückgebracht.
"Im Walschutzgebiet vor Sylt hat pünktlich die Wurfzeit der Kleinwale eingesetzt", sagt Lothar Koch Sprecher der Schutzstation Wattenmeer. "Wenn
die unerfahrenen Neugeborenen starker Brandung ausgesetzt sind, werden sie schon mal lebend auf den Strand geworfen. Je schneller sie wieder zurück ins
Meerwasser, möglichst hinter die Brandungslinie kommen, um so größer ist ihre Überlebenschance".
Im schleswig-holsteinischen Hoheitsgebiet vor Sylt und Amrum rechnet man mit einem Bestand von bis zu 6000 Schweinswalen. Wegen der Bedeutung des
Gebietes als Wurf-und Aufzuchtgebiet der gefährdeten Kleinwalart wurde hier
im Dezember 1999 das erste Walschutzgebiet Europas eingerichtet. Dieses hat seine erste Bewährungsprobe schon bestanden: Mehrere Hundert große
Windkraftanlagen können dank des Schutzgebietes nicht unmittelbar vor den Inseln, sondern nur jenseits der 12 Meilen Grenze geplant werden.



Hörnumer Finnwal geborgen Hörnum 3.6.2001

Trotz technischer Probleme konnte der Finnwal, der heute morgen am Hörnumer Strand antrieb, in kurzer Zeit geborgen werden. Gegen 14: 00 Uhr ließ die Tide es zu, mit den Bergungsarbeiten zu beginnen. Bis dahin hatten sich bereits an die Hundert Schaulustige am Strand angesammelt, die von Mitarbeitern der Schutzstation Wattenmeer über die Ökologie der Wale
informiert wurden. Mitarbeiter der Gemeinde Hörnum und des "Amt Landschaft Sylt" versuchten
zunächst mit zwei Radladern den Kadaver anzuheben. Nachdem dieses mißlang wurde eine mehrere zentimeterdicke Nylon-Schiffstrosse um die Schwanzfluke des gut 15 m langen Wales gelegt. Diese riß jedoch beim Anschleppen. Erst nachdem der Wal per Hand mit scharfen Flensmessern in zwei Teile geschnitten wurde, gelang dann bei strömendem Regen der Abtransport.
Der Kadaver wird nun zunächst an geeigneter Stelle bis nach Pfingsten zwischengelagert. Dann wird das zuständige Kreisveterinäramt über den weiteren Entsorgungsweg entscheiden. Das Forschungs-und Technologiezentrum in Büsum will noch heute Mitarbeiter auf die Insel schicken, die dem Kadaver Proben zur weiteren Untersuchung entnehmen. Die Schutzstation Wattenmeer spricht sich dafür aus, daß Teile des gestrandeten Tieres zu Ausstellungszwecken in Hörnum bleiben.




Finnwal strandete bei Hörnum auf Sylt (2.6.01)


In den frühen Morgenstunden wurde am Hörnumer Nordstrand ein lebloser großer Furchenwal angetrieben. Dabei handelt es sich nach Aussagen der in Hörnum ansässigen Schutzstation Wattenmeer um einen männlichen Finnwal. Finnwale sind, nach dem Blauwal, die zweitgrößte Tierart der Erde und können bis zu 26 m lang werden. Bei dem getrandeten Exemplar handelt es sich jedoch um ein kleineres, etwa 15 m langes Exemplar. "Genaue Vermessungen können erst
gemacht werden, wenn das Wasser soweit abgelaufen ist, daß wir bequem an den Kadaver herankommen, sagte Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer."

Damit ist gegen 14 Uhr zu rechnen. Hartmut Müller, der Bürgermeister der Gemeinde Hörnum, berät zur Stunde mit einer Expertengruppe, wie, wann und wohin das Tier abgeborgen werden soll. Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer sorgen derzeit vor Ort für die Information und Lenkung der schaulustigen Strandwanderer. Größere Stücke der für Furchenwale typischen
Barten sind bereits sichergestellt worden, um sie vor Diebstahl oder Abdrift zu schützen. Die oberste Naturschutzbehörde wird später entscheiden, ob diese Walteile für Ausstellungszwecke genutzt werden dürfen. Finnwale stehen unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens. Daher ist es verboten jegliche Körperteile, auch von toten Tieren, unbefugt an sich zu nehmen.
Die Barten dienen den Finnwalen zur Nahrungsaufnahme. Eine große Wassermenge wird ins Maul gesogen und dann mit der mächtigen Zunge durch die Barten wieder herausgedrückt. Von den Barten werden Kleinkrebse (Krill) in großen Mengen zurückgehalten, um dann verschluckt zu werden. In der Nordsee findet man diese Krebstiere nicht. Daher ist die Nordsee kein geeigneter Lebensraum für Furchenwale. Es handelt sich also bei dem Finnwal um einen Irrgast, der
möglicherweise schon tot in die Deutsche Bucht hineintrieb. Der Walkadaver weist schon deutliche Spuren der Zersetzung auf.
Der letzte Finnwal strandete auf Sylt am 7.2.1995 bei Wenningstedt. Damals ergaben Untersuchungen des Fettkörpers einen extrem erhöhten Schadstoffgehalt (Chlorparafine) des Tieres. Diese können das Immunsystem schädigen.



Watt-ID: 24
Fraunhofer-und Ökoinstitut präsentieren Forschungsergebnisse zum Klimaschutz

Wer macht noch Wind für Energiesparen? Die aktuelle Offshore-Windkraft-Diskussion, weckt immer mehr den Eindruck, daß nur diese Form der alternativen Energiegewinnung die Küste vor der sicheren CO2-Katastrophe retten kann. So sollen offenbar Bedenkenträger
aus dem Naturschutz, die selbst jahrelang für Alternativenergien gestritten haben, nun als Umweltschutzbremser hingestellt werden.

Tatsache ist jedoch, daß die gesteckten Ziele im Klimaschutz nur über das gleichzeitige Verfolgen vieler Wege erreicht werden kann. Der wichtigste und gleichzeitig unpopulärste Weg ist und bleibt das Energiesparen: Die Beiträge, die jeder zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz zur Entlastung der Umwelt leisten kann, sind alles andere als "Peanuts".
Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, des Öko-Instituts, Darmstadt, und der Technischen Universität München im Auftrag des Umweltbundesamts. Die Institute untersuchten die Sektoren Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Haushalte auf Möglichkeiten zur Verminderung der Kohlendioxid-Emission durch
energiesparendes Verhalten. Die Ergebnisse unterstreichen die kürzlich
vom Fraunhofer ISI geäußerte Behauptung,Deutschland könne auf die Nutzung der
Kernkraft verzichten.

Um insgesamt 23 Millionen Tonnen ließen sich in Deutschland die CO2-Emissionen allein in Gewerbe, Handel und Dienstleistung senken; das sind etwa 16 Prozent des Gesamtausstoßes in diesem Bereich. Bereits heute läßt sich der Stromverbrauch um ca. 14 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr durch Abschalten von Stand-by, Anpassen der Betriebszeiten von Geräten an die
tatsächliche Nutzung oder manuelles Zu- und Abschalten der Beleuchtung reduzieren. Dies entspricht ungefähr dem Jahresstromverbrauch der Stadt Berlin. Hinzu kommen Einsparpotenziale bei der Raumwärme von 50 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr und beim Warmwasser von jährlich 10 Milliarden Kilowattstunden.

Einen noch höheren Stellenwert räumen die Forscher den Verhaltensmaßnahmen in Haushalten ein. Das Reduktionspotenzial liegt hier bei ca. 61 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das ist ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen der deutschen Haushalte. Besonders effizient sind Maßnahmen, die den Energieverbrauch für Raumwärme reduzieren. Sie machen 87 Prozent des
Einsparpotenzials aus. Wer also aufpaßt, daß die Heizkörper nicht mit Möbeln zugestellt sind, die Fenster nicht bei voll aufgedrehter Heizung aufreißt und auf angemessene Raumtemperaturen achtet, leistet einen beachtlichen Beitrag zum Klimaschutz. Ein durchschnittlicher Haushalt spart dadurch zugleich bis zu 600 DM jährlich. Würden alle empfohlenen Verhaltensmaßnahmen
durchgeführt, wäre zusammen mit der Entwicklung immer sparsamerer Geräte das von der Bundesregierung für das Jahr 2005 gesteckte Ziel erreicht, nämlich eine um 25 Prozent verminderte Kohlendioxidemission gegenüber 1990. "Ein schöner Gedanke, aber leider weit weg von der Realität", sagt Edelgard Gruber, Projektleiterin am Fraunhofer ISI.

Haushaltsbefragungen und die Untersuchung bereits durchgeführter Programme zur Förderung des klimagerechten Verhaltens zeigen, daß nur wenige Prozente des Potenzials tatsächlich erschlossen werden können. Gewohnheiten, Unkenntnis und fehlende Motivation stehen der vollständigen Ausschöpfung der Möglichkeiten entgegen.

Für 2005 kann daher nur mit einer Reduktion von 8 Millionen Tonnen Kohlendioxid gerechnet werden, für 2020 mit 19 Millionen Tonnen. Entscheidend ist jedoch, daß die Zielgruppen spezifisch angesprochen und jeweils Anreize geschaffen werden. "Mit dem erhobenen Zeigerfinger
kommt man in der heutigen Zeit nicht weit", so Gruber.




Watt-ID: 22
Ersetzt Freiwilligenjahr bald Wehr- und Zivildienst?


Die bereits erfolgte Verkürzung des Zivildienstes und die Absicht der Regierung, Wehrpflicht und Zivildienst eventuell ganz abzuschaffen, löste im vergangenen Jahr breite Diskussionen um die Einrichtung sozialer und umweltschutzorientierter Freiwilligendienste aus. Bei Gesprächen in
Berlin sitzt für die Schutzstation Wattenmeer und andere Umweltverbände unser
Mitarbeiter Diplombiologe Rainer Borcherding mit am Tisch. Hier sein Zwischenbericht:

Die auf Bundesebene laufende Debatte um Freiwilligendienste entwickelt sich zügig weiter. Dies ist ein Ergebnis der am 9.4. von der Fraktion "Bündnis90/Die Grünen" durchgeführten Expertenanhörung.

Nach den Plänen des Familienministeriums soll der Bundestag im Herbst 2001 eine Novellierung der Gesetze über das Freiwillige Soziale bzw. Ökologische Jahr (FSJG / FÖJG) verabschieden. Darin sollen die sozialrechtlichen Aspekte der jugendbildenden Freiwilligendienste vereinheitlicht werden.
Außerdem soll künftig die Leistung eines Freiwilligenjahres junge Männer von der Ableistung der Wehrpflicht befreien.

Die Schaffung neuer "Vollzeit"-Freiwilligendienste für Menschen aller Altersgruppen, unter anderem voraussichtlich auch eines Freiwilligen Umweltjahres, wird dagegen auf die nächste Legislaturperiode vertagt. Dies ist einerseits verständlich, da in einem Freiwilligengesetz komplizierte Fragen zu klären sind: Sozialversicherung, Abgrenzung verschiedener Formen von Ehrenamtlichkeit und Arbeitsmarktneutralität. Andererseits steht zu befürchten, daß sich nach Ablauf des "Jahres der Freiwilligen 2001" die weitere Gesetzgebung im Sande verläuft. Damit
würde die Chance verschenkt, dem ehrenamtlichen Engagement im Umwelt-, Sozial- und
Kulturbereich neue Impulse zu geben.

Auch ist noch keineswegs klar, wie der voraussichtliche Wegfall der Zivildienstleistenden aufzufangen wäre, wenn die Freiwilligendienste nicht wesentlich attraktiver gestaltet werden, als sie es derzeit sind. An dieser Thematik arbeitet mit Hochdruck das Bundesfamilienministerium.

Das Umweltministerium hat nur einen begrenzten Handlungsspielraum, da es für Freiwilligendienste formal nicht zuständig ist.
Die Umweltverbände begleiten mit einer Arbeitsgruppe den Prozeß und führen mit Politikern und Verwaltung Gespräche.

Die Verwaltungsstellen des Freiwilligen Ökologischen Jahres, über 50 im Bundesgebiet, wollen am 31.5. einen Dachverband bilden. Es ist zu wünschen, daß danach ein inhaltlicher Schulterschluss mit den Umweltverbänden erfolgt.
Derzeit gibt es noch Meinungsdifferenzen über die Frage, wie gewichtig der Umweltschutzaspekt im Vergleich zur Jugendbildung innerhalb des FÖJ ist. Die Bundesländer haben in ihrer letzten LANA-Sitzung die Bildung einer Arbeitsgruppe zum Themenfeld Arbeitskräfte im Umweltbereich leider zunächst abgelehnt.

Umweltverbände oder Personen, die sich in den laufenden Diskussionsprozeß einbringen oder auf Landesebene bei Veranstaltungen zum "Internationalen Jahr der Freiwilligen" Umweltschutzpositionen in die Diskussion einbringen möchten, können sich bei Rainer Borcherding informieren:
Tel. 04841/87919, rb@schutzstation-wattenmeer.de




Watt-ID: 17
Verdiente Würdigung für Dr. Peter Prokosch
Goldene Feder für Naturschutzforschungsprojekt

Dr. Peter Prokosch wurde von der Staatssekretärin des Kieler Umweltministeriums, Frau Henriette Berg, im Namen des Landes die "Goldene Ringelgansfeder" verliehen.

Dies geschah kürzlich im Rahmen der vom NationalparkService, dem WWF, den Halligen und der Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Hooge veranstalteten IV. Ringelganstage.

Mit dieser Auszeichnung, so Staatssekretärin Berg, will der Naturschutz in Schleswig-Holstein die herausragenden Verdienste Dr. Prokoschs für die Ringelgansforschung würdigen. Die vergoldete Feder stammte denkwürdigerweise
vom Totfund einer Ringelgans, die Peter Prokosch selbst vor 18 Jahren auf Eiderstedt mit seiner Forschungsgruppe beringt hatte.
Durch seinen unermüdlichen Einsatz, so die übereinstimmende Meinung aller anwesenden Behörden- und Naturschutzvertreter, habe Dr. Prokosch persönlich ganz wesentlich dazu beigetragen, aus der verfemten Ringelgansfrage eine
Erfolgsstory für den Naturschutz werden zu lassen.

Noch vor einem Jahrzehnt hätte Dr.Prokosch, der heute in Oslo den Arktisschutz des WWF leitet, einen solchen Gesinnungswandel als "absurde Utopie" bezeichnet, denn zu damaliger Zeit beklagten sich vor allem die Landwirte in vielen Presseberichten über die "Landplage und Heimsuchung der Ringelgansschwärme". Die Bauern sahen sich durch die grasenden Gänse in
ihrer Existenz bedroht und beklagten sich über zu geringe Entschädigungszahlungen für den Gänsefraß seitens des Landes Schleswig-Holstein.
"Heute", so führte Landrat Olaf Bastian in seinem Grußwort aus, "gibt es auf Hooge nur Nutznießer des Vogelzuges: die Einwohner, die Touristen und die Natur".
Als Dr.Prokosch 1973/1974 seinen Zivildienst bei der Schutzstation Wattenmeer in der Halligwelt leistete, steckte das internationale Ringelgansprogramm noch in den allerersten Anfängen. Sein persönlicher Kontakt zum Biologen Andrew St.Joseph, der in England im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeiten mit der Farbring-Kennzeichnung von
Ringelgänsen begonnen hatte, weckten bei Peter Prokosch das eigene Interesse und ein
besonderes Engagement für diese Vogelart.

Schon nach kurzer Zeit wurde Peter Prokosch Koordinator der Ringelgansprojekte im deutschen Wattgebiet. Dabei arbeitete er in enger , internationaler Zusammenarbeit mit Andrew St.Joseph und niederländischen
Kollegen und mit wissenschaftlicher Unterstützung des Internationalen Büros
für Wasservogelforschung IWRB -Slimbridge/England.

Ziel war es:
- die außergewöhnlich dynamische Populationsentwicklung der Ringelgans zu verfolgen und bestandsbeeinflussende Maßnahmen zu erkennen.

- die ökologischen Funktionen der einzelnen von der Art aufgesuchten Teilgebiete innerhalb ihres Jahres/Lebensraumsystems zu ermitteln.

- die gewonnenen Erfahrungen in praktische Naturschutzkonzeptionen umzusetzen.

Es war schon ein Unterfangen besonderer Art, sich damals für den Schutz dieser Gänseart einzusetzen. Erst der international erwirkte Jagdschutz ermöglichte eine langsame
Erholung des Ringelgans-Weltbestandes, der in den 50er Jahren seinen Tiefstand erreicht hatte. Begünstigt wurde diese Entwicklung noch durch Bruterfolge in den arktischen Brutgebieten.

In den europäischen Überwinterungsgebieten und dem Wattenmeer wurden hingegen die lokal konzentriert auftretenden Gänseschwärme als "der Einfall der schwarzen Pest" bezeichnet. Bei der oft sehr emotional geführten Eindeichungsdiskussion in den 80 er Jahren gipfelten die Anwürfe gegenüber den Schutzanliegen in der polemischen Behauptung: "Naturschützern
ginge es darum, Gänse- statt Menschenschutz betreiben zu wollen."

Gegen die Unhaltbarkeit und Unsinnigkeit derartiger Behauptungen ist schon damals viel gesagt worden; doch erst nach und nach (z.B. durch die Errichtung des Nationalparks S-H Wattenmeer) kam es zu einer Versachlichung
der Diskussion in der Ringelgansfrage.

Durch die Vergabe einer auf das Ringelgansthema ausgerichteten Diplomarbeit an Peter Prokosch (Uni Kiel, Prof. Wolfhart Schulz) erfuhr dessen langjähriges Engagement erneut eine Ausweitung und Steigerung. Für die Durchführung der von ihm initiierten Gänse-Synchronzählung gelang es Peter Prokosch einen küstenweit tätigen Mitarbeiterkreis im deutschen Wattgebiet aufzubauen, an dem u.a. auch die Schutzstation Wattenmeer mit dem
Netzwerk ihrer Mitarbeiter teilnahm. Auch heute wird dieses wichtige Monitoring
von uns im Rahmen gemeinsamer Projekte weitergeführt..

Zur Organisation und nachfolgenden Information über die Zählungsergebnisse und den Stand der Forschung gab Peter Prokosch einen regelmäßig erscheinenden "Ringelgans-Rundbrief" heraus. Durch die Beobachtungen der vielen Mitarbeiter und die Koordinierung und Auswertung des Daten- und Zahlenmaterials wurde es möglich, innerhalb nur weniger Jahre genaue
Kenntnis über: Zugverhalten, Ortstreue, Verweildauer, soziales Verhalten, Freßgewohnheiten und Gewichtszunahme der Gänse zu erlangen. Ganz wesentlich wurden diese Ermittlungen durch die Beobachtung der vielen unter Einsatz von Kanonennetzen gefangenen und mit Farbringen gekennzeichneten Ringelgänse
ermöglicht.

Wenn heutzutage die Möglichkeiten zu naher, unmittelbarer Ringelgansbeobachtung auf dem besten Weg sind zu einer außergewöhnlichen Touristenattraktion zu werden, so mag Dr. Prokosch darin für sich nach langen Jahren der Verunglimpfung auch den Erfolg seines unbeirrbaren Einsatzes für diese Vogelart erkennen.


Watt-ID: 16
Manjana-Haltung im Behördendschungel geschoben?

Eine Anpassung der im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gültigen Befahrensregelung auf die seit der Gesetzesnovellierung im Dezember 1999 ausgewiesenen Zonen des Schutzgebietes ist erst zu erwarten, wenn alle drei Wattenmeerländer ihre Gesetzesnovellierungen abgeschlossen haben und die Notwendigkeit einer neuen Befahrensregelung deutlich machen. Dies geht aus einem Schreiben des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Schutzstation Wattenmeer zurück (s. Wattreport 4/01).

Die Parlamentarische Staatssekretärin Frau MdB Angelika Mertens schreibt: "Da gegenwärtig auch andere Küstenländer (Hamburg, Niedersachsen) an der Novellierung ihrer Nationalparkgesetzgebung arbeiten, wird vom BMVBW nach Vorlage dieser Neuregelungen insgesamt zu prüfen sein, ob Erfordernisse für eine Novellierung der Verordnung...vorliegen"

Laut BMVBW liegt das Erfordernis vor, wenn: "umfangreiche Anhörungen und Abstimmungen aller Beteiligten zu dem Schluß kommen, daß weitere Befahrensbeschränkungen zum Erreichen der gesetzten Schutzziele erforderlich sind."

Offensichtlich wird das Bundesverkehrsministerium nur dann aktiv werden, wenn die Länder dies aktiv einfordern. Zur Zeit geht man bei der Bundesbehörde eher davon aus, "daß Schleswig-Holstein bestrebt ist, erforderliche Maßnahmen auf der Basis freiwilliger Vereinbarungen mit
Sportbootverbänden und regionalen Seeverkehrsbetrieben zu erreichen.". Schutzstation Wattenmeer fordert hingegen eine zügige, eindeutige und einheitliche Befahrensregelung für alle Nationalparke Wattenmeer, die neben lokal sinnvollen, freiwilligen Vereinbarungen überwiegend
rechtsverbindlich ist. Solange in jeder Wattenregion nur ein eigenes Süppchen freiwilliger
Vereinbarungen gekocht wird, bleibt der Naturschutz in den Neuzuschnitten der Nationalparkzonen unvollständiges Stückwerk ohne klare Außenwirkung.
Derzeit existieren beispielsweise sogar unterschiedliche Kartenwerke (Seekarten, Nationalparkbroschüren, Faltblätter) innerhalb einzelner Nationalparke, anhand derer die Öffentlichkeit teils unvollständig oder sogar widersprüchlich über die Grenzen, Zonierungen und Regelungen informiert wird. Ein seitens der Naturschutzverbände zum Schutz der Hochseevögel und Kleinwale gefordertes Tempolimit in den seeseitigen Nationalparkgebieten Schleswig Holsteins fehlt völlig.

Die nutzungsfreie Zone des Nationalparkes wird in die amtlichen Seekarten offenbar deshalb nicht eingezeichnet, weil Seekarten nur das Befahren, nicht aber das Befischen regeln. Wie schon in Wattreport 3/2001 dargestellt, ergibt sich ein unübersichtliches und schwer verständliches Bild des "neuen" Nationalparkes.

"So kann man keine überzeugende Werbung für den "neuen" Nationalpark machen", meint Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer. Aber daran scheint das Land auch selbst wenig Interesse zu haben: "Nun verstreicht schon die zweite Sommersaison tatenlos, in der auf den stark frequentierten Inseln Sylt und Amrum dem bundesweiten "Publikum" mittels
anschaulicher Infotafeln o.ä. das "Walschutzgebiet" und damit die
Naturschutzleistungen des Landes in Sachen Meeresschutz präsentieren werden könnten", so
Koch.



Watt-ID: 24
Fraunhofer-und Ökoinstitut präsentieren Forschungsergebnisse zum Klimaschutz

Wer macht noch Wind für Energiesparen? Die aktuelle Offshore-Windkraft-Diskussion, weckt immer mehr den Eindruck, daß nur diese Form der alternativen Energiegewinnung die Küste vor der sicheren CO2-Katastrophe retten kann. So sollen offenbar Bedenkenträger
aus dem Naturschutz, die selbst jahrelang für Alternativenergien gestritten haben, nun als Umweltschutzbremser hingestellt werden.

Tatsache ist jedoch, daß die gesteckten Ziele im Klimaschutz nur über das gleichzeitige Verfolgen vieler Wege erreicht werden kann. Der wichtigste und gleichzeitig unpopulärste Weg ist und bleibt das Energiesparen: Die Beiträge, die jeder zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz zur Entlastung der Umwelt leisten kann, sind alles andere als "Peanuts".
Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, des Öko-Instituts, Darmstadt, und der Technischen Universität München im Auftrag des Umweltbundesamts. Die Institute untersuchten die Sektoren Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Haushalte auf Möglichkeiten zur Verminderung der Kohlendioxid-Emission durch
energiesparendes Verhalten. Die Ergebnisse unterstreichen die kürzlich
vom Fraunhofer ISI geäußerte Behauptung,Deutschland könne auf die Nutzung der
Kernkraft verzichten.

Um insgesamt 23 Millionen Tonnen ließen sich in Deutschland die CO2-Emissionen allein in Gewerbe, Handel und Dienstleistung senken; das sind etwa 16 Prozent des Gesamtausstoßes in diesem Bereich. Bereits heute läßt sich der Stromverbrauch um ca. 14 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr durch Abschalten von Stand-by, Anpassen der Betriebszeiten von Geräten an die
tatsächliche Nutzung oder manuelles Zu- und Abschalten der Beleuchtung reduzieren. Dies entspricht ungefähr dem Jahresstromverbrauch der Stadt Berlin. Hinzu kommen Einsparpotenziale bei der Raumwärme von 50 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr und beim Warmwasser von jährlich 10 Milliarden Kilowattstunden.

Einen noch höheren Stellenwert räumen die Forscher den Verhaltensmaßnahmen in Haushalten ein. Das Reduktionspotenzial liegt hier bei ca. 61 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das ist ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen der deutschen Haushalte. Besonders effizient sind Maßnahmen, die den Energieverbrauch für Raumwärme reduzieren. Sie machen 87 Prozent des
Einsparpotenzials aus. Wer also aufpaßt, daß die Heizkörper nicht mit Möbeln zugestellt sind, die Fenster nicht bei voll aufgedrehter Heizung aufreißt und auf angemessene Raumtemperaturen achtet, leistet einen beachtlichen Beitrag zum Klimaschutz. Ein durchschnittlicher Haushalt spart dadurch zugleich bis zu 600 DM jährlich. Würden alle empfohlenen Verhaltensmaßnahmen
durchgeführt, wäre zusammen mit der Entwicklung immer sparsamerer Geräte das von der Bundesregierung für das Jahr 2005 gesteckte Ziel erreicht, nämlich eine um 25 Prozent verminderte Kohlendioxidemission gegenüber 1990. "Ein schöner Gedanke, aber leider weit weg von der Realität", sagt Edelgard Gruber, Projektleiterin am Fraunhofer ISI.

Haushaltsbefragungen und die Untersuchung bereits durchgeführter Programme zur Förderung des klimagerechten Verhaltens zeigen, daß nur wenige Prozente des Potenzials tatsächlich erschlossen werden können. Gewohnheiten, Unkenntnis und fehlende Motivation stehen der vollständigen Ausschöpfung der Möglichkeiten entgegen.

Für 2005 kann daher nur mit einer Reduktion von 8 Millionen Tonnen Kohlendioxid gerechnet werden, für 2020 mit 19 Millionen Tonnen. Entscheidend ist jedoch, daß die Zielgruppen spezifisch angesprochen und jeweils Anreize geschaffen werden. "Mit dem erhobenen Zeigerfinger
kommt man in der heutigen Zeit nicht weit", so Gruber.




Watt-ID: 22
Ersetzt Freiwilligenjahr bald Wehr- und Zivildienst?


Die bereits erfolgte Verkürzung des Zivildienstes und die Absicht der Regierung, Wehrpflicht und Zivildienst eventuell ganz abzuschaffen, löste im vergangenen Jahr breite Diskussionen um die Einrichtung sozialer und umweltschutzorientierter Freiwilligendienste aus. Bei Gesprächen in
Berlin sitzt für die Schutzstation Wattenmeer und andere Umweltverbände unser
Mitarbeiter Diplombiologe Rainer Borcherding mit am Tisch. Hier sein Zwischenbericht:

Die auf Bundesebene laufende Debatte um Freiwilligendienste entwickelt sich zügig weiter. Dies ist ein Ergebnis der am 9.4. von der Fraktion "Bündnis90/Die Grünen" durchgeführten Expertenanhörung.

Nach den Plänen des Familienministeriums soll der Bundestag im Herbst 2001 eine Novellierung der Gesetze über das Freiwillige Soziale bzw. Ökologische Jahr (FSJG / FÖJG) verabschieden. Darin sollen die sozialrechtlichen Aspekte der jugendbildenden Freiwilligendienste vereinheitlicht werden.
Außerdem soll künftig die Leistung eines Freiwilligenjahres junge Männer von der Ableistung der Wehrpflicht befreien.

Die Schaffung neuer "Vollzeit"-Freiwilligendienste für Menschen aller Altersgruppen, unter anderem voraussichtlich auch eines Freiwilligen Umweltjahres, wird dagegen auf die nächste Legislaturperiode vertagt. Dies ist einerseits verständlich, da in einem Freiwilligengesetz komplizierte Fragen zu klären sind: Sozialversicherung, Abgrenzung verschiedener Formen von Ehrenamtlichkeit und Arbeitsmarktneutralität. Andererseits steht zu befürchten, daß sich nach Ablauf des "Jahres der Freiwilligen 2001" die weitere Gesetzgebung im Sande verläuft. Damit
würde die Chance verschenkt, dem ehrenamtlichen Engagement im Umwelt-, Sozial- und
Kulturbereich neue Impulse zu geben.

Auch ist noch keineswegs klar, wie der voraussichtliche Wegfall der Zivildienstleistenden aufzufangen wäre, wenn die Freiwilligendienste nicht wesentlich attraktiver gestaltet werden, als sie es derzeit sind. An dieser Thematik arbeitet mit Hochdruck das Bundesfamilienministerium.

Das Umweltministerium hat nur einen begrenzten Handlungsspielraum, da es für Freiwilligendienste formal nicht zuständig ist.
Die Umweltverbände begleiten mit einer Arbeitsgruppe den Prozeß und führen mit Politikern und Verwaltung Gespräche.

Die Verwaltungsstellen des Freiwilligen Ökologischen Jahres, über 50 im Bundesgebiet, wollen am 31.5. einen Dachverband bilden. Es ist zu wünschen, daß danach ein inhaltlicher Schulterschluss mit den Umweltverbänden erfolgt.
Derzeit gibt es noch Meinungsdifferenzen über die Frage, wie gewichtig der Umweltschutzaspekt im Vergleich zur Jugendbildung innerhalb des FÖJ ist. Die Bundesländer haben in ihrer letzten LANA-Sitzung die Bildung einer Arbeitsgruppe zum Themenfeld Arbeitskräfte im Umweltbereich leider zunächst abgelehnt.

Umweltverbände oder Personen, die sich in den laufenden Diskussionsprozeß einbringen oder auf Landesebene bei Veranstaltungen zum "Internationalen Jahr der Freiwilligen" Umweltschutzpositionen in die Diskussion einbringen möchten, können sich bei Rainer Borcherding informieren:
Tel. 04841/87919, rb@schutzstation-wattenmeer.de


 

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Verdiente Würdigung für Dr. Peter Prokosch
Goldene Feder für Naturschutzforschungsprojekt

Dr. Peter Prokosch wurde von der Staatssekretärin des Kieler Umweltministeriums, Frau Henriette Berg, im Namen des Landes die "Goldene Ringelgansfeder" verliehen.

Dies geschah kürzlich im Rahmen der vom NationalparkService, dem WWF, den Halligen und der Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Hooge veranstalteten IV. Ringelganstage.

Mit dieser Auszeichnung, so Staatssekretärin Berg, will der Naturschutz in Schleswig-Holstein die herausragenden Verdienste Dr. Prokoschs für die Ringelgansforschung würdigen. Die vergoldete Feder stammte denkwürdigerweise
vom Totfund einer Ringelgans, die Peter Prokosch selbst vor 18 Jahren auf Eiderstedt mit seiner Forschungsgruppe beringt hatte.
Durch seinen unermüdlichen Einsatz, so die übereinstimmende Meinung aller anwesenden Behörden- und Naturschutzvertreter, habe Dr. Prokosch persönlich ganz wesentlich dazu beigetragen, aus der verfemten Ringelgansfrage eine
Erfolgsstory für den Naturschutz werden zu lassen.

Noch vor einem Jahrzehnt hätte Dr.Prokosch, der heute in Oslo den Arktisschutz des WWF leitet, einen solchen Gesinnungswandel als "absurde Utopie" bezeichnet, denn zu damaliger Zeit beklagten sich vor allem die Landwirte in vielen Presseberichten über die "Landplage und Heimsuchung der Ringelgansschwärme". Die Bauern sahen sich durch die grasenden Gänse in
ihrer Existenz bedroht und beklagten sich über zu geringe Entschädigungszahlungen für den Gänsefraß seitens des Landes Schleswig-Holstein.
"Heute", so führte Landrat Olaf Bastian in seinem Grußwort aus, "gibt es auf Hooge nur Nutznießer des Vogelzuges: die Einwohner, die Touristen und die Natur".
Als Dr.Prokosch 1973/1974 seinen Zivildienst bei der Schutzstation Wattenmeer in der Halligwelt leistete, steckte das internationale Ringelgansprogramm noch in den allerersten Anfängen. Sein persönlicher Kontakt zum Biologen Andrew St.Joseph, der in England im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeiten mit der Farbring-Kennzeichnung von
Ringelgänsen begonnen hatte, weckten bei Peter Prokosch das eigene Interesse und ein
besonderes Engagement für diese Vogelart.

Schon nach kurzer Zeit wurde Peter Prokosch Koordinator der Ringelgansprojekte im deutschen Wattgebiet. Dabei arbeitete er in enger , internationaler Zusammenarbeit mit Andrew St.Joseph und niederländischen
Kollegen und mit wissenschaftlicher Unterstützung des Internationalen Büros
für Wasservogelforschung IWRB -Slimbridge/England.

Ziel war es:
- die außergewöhnlich dynamische Populationsentwicklung der Ringelgans zu verfolgen und bestandsbeeinflussende Maßnahmen zu erkennen.

- die ökologischen Funktionen der einzelnen von der Art aufgesuchten Teilgebiete innerhalb ihres Jahres/Lebensraumsystems zu ermitteln.

- die gewonnenen Erfahrungen in praktische Naturschutzkonzeptionen umzusetzen.

Es war schon ein Unterfangen besonderer Art, sich damals für den Schutz dieser Gänseart einzusetzen. Erst der international erwirkte Jagdschutz ermöglichte eine langsame
Erholung des Ringelgans-Weltbestandes, der in den 50er Jahren seinen Tiefstand erreicht hatte. Begünstigt wurde diese Entwicklung noch durch Bruterfolge in den arktischen Brutgebieten.

In den europäischen Überwinterungsgebieten und dem Wattenmeer wurden hingegen die lokal konzentriert auftretenden Gänseschwärme als "der Einfall der schwarzen Pest" bezeichnet. Bei der oft sehr emotional geführten Eindeichungsdiskussion in den 80 er Jahren gipfelten die Anwürfe gegenüber den Schutzanliegen in der polemischen Behauptung: "Naturschützern
ginge es darum, Gänse- statt Menschenschutz betreiben zu wollen."

Gegen die Unhaltbarkeit und Unsinnigkeit derartiger Behauptungen ist schon damals viel gesagt worden; doch erst nach und nach (z.B. durch die Errichtung des Nationalparks S-H Wattenmeer) kam es zu einer Versachlichung
der Diskussion in der Ringelgansfrage.

Durch die Vergabe einer auf das Ringelgansthema ausgerichteten Diplomarbeit an Peter Prokosch (Uni Kiel, Prof. Wolfhart Schulz) erfuhr dessen langjähriges Engagement erneut eine Ausweitung und Steigerung. Für die Durchführung der von ihm initiierten Gänse-Synchronzählung gelang es Peter Prokosch einen küstenweit tätigen Mitarbeiterkreis im deutschen Wattgebiet aufzubauen, an dem u.a. auch die Schutzstation Wattenmeer mit dem
Netzwerk ihrer Mitarbeiter teilnahm. Auch heute wird dieses wichtige Monitoring
von uns im Rahmen gemeinsamer Projekte weitergeführt..

Zur Organisation und nachfolgenden Information über die Zählungsergebnisse und den Stand der Forschung gab Peter Prokosch einen regelmäßig erscheinenden "Ringelgans-Rundbrief" heraus. Durch die Beobachtungen der vielen Mitarbeiter und die Koordinierung und Auswertung des Daten- und Zahlenmaterials wurde es möglich, innerhalb nur weniger Jahre genaue
Kenntnis über: Zugverhalten, Ortstreue, Verweildauer, soziales Verhalten, Freßgewohnheiten und Gewichtszunahme der Gänse zu erlangen. Ganz wesentlich wurden diese Ermittlungen durch die Beobachtung der vielen unter Einsatz von Kanonennetzen gefangenen und mit Farbringen gekennzeichneten Ringelgänse
ermöglicht.

Wenn heutzutage die Möglichkeiten zu naher, unmittelbarer Ringelgansbeobachtung auf dem besten Weg sind zu einer außergewöhnlichen Touristenattraktion zu werden, so mag Dr. Prokosch darin für sich nach langen Jahren der Verunglimpfung auch den Erfolg seines unbeirrbaren Einsatzes für diese Vogelart erkennen.


Watt-ID: 16
Manjana-Haltung im Behördendschungel geschoben?

Eine Anpassung der im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gültigen Befahrensregelung auf die seit der Gesetzesnovellierung im Dezember 1999 ausgewiesenen Zonen des Schutzgebietes ist erst zu erwarten, wenn alle drei Wattenmeerländer ihre Gesetzesnovellierungen abgeschlossen haben und die Notwendigkeit einer neuen Befahrensregelung deutlich machen. Dies geht aus einem Schreiben des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Schutzstation Wattenmeer zurück (s. Wattreport 4/01).

Die Parlamentarische Staatssekretärin Frau MdB Angelika Mertens schreibt: "Da gegenwärtig auch andere Küstenländer (Hamburg, Niedersachsen) an der Novellierung ihrer Nationalparkgesetzgebung arbeiten, wird vom BMVBW nach Vorlage dieser Neuregelungen insgesamt zu prüfen sein, ob Erfordernisse für eine Novellierung der Verordnung...vorliegen"

Laut BMVBW liegt das Erfordernis vor, wenn: "umfangreiche Anhörungen und Abstimmungen aller Beteiligten zu dem Schluß kommen, daß weitere Befahrensbeschränkungen zum Erreichen der gesetzten Schutzziele erforderlich sind."

Offensichtlich wird das Bundesverkehrsministerium nur dann aktiv werden, wenn die Länder dies aktiv einfordern. Zur Zeit geht man bei der Bundesbehörde eher davon aus, "daß Schleswig-Holstein bestrebt ist, erforderliche Maßnahmen auf der Basis freiwilliger Vereinbarungen mit
Sportbootverbänden und regionalen Seeverkehrsbetrieben zu erreichen.". Schutzstation Wattenmeer fordert hingegen eine zügige, eindeutige und einheitliche Befahrensregelung für alle Nationalparke Wattenmeer, die neben lokal sinnvollen, freiwilligen Vereinbarungen überwiegend
rechtsverbindlich ist. Solange in jeder Wattenregion nur ein eigenes Süppchen freiwilliger
Vereinbarungen gekocht wird, bleibt der Naturschutz in den Neuzuschnitten der Nationalparkzonen unvollständiges Stückwerk ohne klare Außenwirkung.
Derzeit existieren beispielsweise sogar unterschiedliche Kartenwerke (Seekarten, Nationalparkbroschüren, Faltblätter) innerhalb einzelner Nationalparke, anhand derer die Öffentlichkeit teils unvollständig oder sogar widersprüchlich über die Grenzen, Zonierungen und Regelungen informiert wird. Ein seitens der Naturschutzverbände zum Schutz der Hochseevögel und Kleinwale gefordertes Tempolimit in den seeseitigen Nationalparkgebieten Schleswig Holsteins fehlt völlig.

Die nutzungsfreie Zone des Nationalparkes wird in die amtlichen Seekarten offenbar deshalb nicht eingezeichnet, weil Seekarten nur das Befahren, nicht aber das Befischen regeln. Wie schon in Wattreport 3/2001 dargestellt, ergibt sich ein unübersichtliches und schwer verständliches Bild des "neuen" Nationalparkes.

"So kann man keine überzeugende Werbung für den "neuen" Nationalpark machen", meint Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer. Aber daran scheint das Land auch selbst wenig Interesse zu haben: "Nun verstreicht schon die zweite Sommersaison tatenlos, in der auf den stark frequentierten Inseln Sylt und Amrum dem bundesweiten "Publikum" mittels
anschaulicher Infotafeln o.ä. das "Walschutzgebiet" und damit die
Naturschutzleistungen des Landes in Sachen Meeresschutz präsentieren werden könnten", so
Koch.



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