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Schutzstation
Wattenmeer ruft zum "Dolphinwatch" auf!
Westerland/Sylt
Die Schutzstation Wattenmeer in Hörnum ruft
Ausgucker, Strandläufer, Seefahrer, Segler
Biologen und sonstige Meerbegeisterten an der
Küste auf, nach Delfinen Ausschau zu halten
und Sichtungen von Kleinwalen zu melden.
Anlass ist ein Erlebnis von Rettungsschwimmern
aus Rantum auf Sylt. Die erfahrenen Beobachter
Stefan Bucken und Robert Gärtner vom Strandabschnitt
"Samoa" sahen vorgestern mehrere Gruppen
von delphinartigen Tieren in rund 200 m Entfernung
vom Strand vorbeiziehen. Insgesamt waren es über
30 dunkle Rückenfinnen, die fast synchron
auf-und abtauchten. Unter den Meeressäugern
waren einige, die mit Sicherheit über 2 m
lang waren, einige der
überwiegend hell gefärbten Tiere sprangen
sogar mit dem ganzen Körper aus dem Wasser.
"Die Beobachtungen deuten darauf hin, daß
es sich bei dieser Sichtung nicht um die vor Sylt
fast täglich zu sehenden kleinen Schweinswale
(Phocoena
phocoena) handelte, die maximal eine Länge
von 1,8 m erreichen", meint Lothar Koch,
Biologe bei der Schutzstaton Wattenmeer. "Es
ist nicht auszuschließen, daß sich
Delphine auf der Suche nach Nahrung vor unsere
Küste verirrt haben, so wie es bereits im
Juni dieses Jahres von der Ostsee gemeldet wurde".
Dort waren einige Exemplare des "Gewöhnlichen
Delphins" (Delphinus delphis), erstmalig
seit fast 100 Jahren wieder vor Mecklenburg Vorpommerns
Küste aufgetaucht und erst dieser Tage sogar
im Lübecker Hafen gesichtet. Auch in der
Nordsee gelten Gewöhnliche Delphine als sehr
selten.
Denkbar
ist aber auch, daß sich zur Zeit Weißschnautzendelphine
(Lagenorhynchus albirostris) vor Nordfrieslands
Küste aufhalten, die bei uns am Wattenmeer
zwar selten, in der nördlichen Nordsee jedoch
häufiger beobachtet werden. Erst am 2. Juli
mussten Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer
auf Hallig Hooge einen Kadaver dieser Delphinart
bergen. Der als "Flipper" aus Delphinarien
und Filmen bekannte "Große Tümmler"
(Tursiops truncatus) scheidet nach Ansicht von
Lothar Koch in diesem Fall aus.
Diese Tierart
gilt in der südlichen Nordsee schon lange
als ausgestorben. Um eine sichere Bestimmung der
vor Rantum gesichteten Kleinwale zu ermitteln,
sind weitere Sichtungen erforderlich. Daher bittet
die Schutzstation um telefonische Meldung von
Wal- und Delphinsichtungen, mit der Angabe von
Ort, Datum, Uhrzeit etc.: Tel: 04651/881093
Schutzstation Wattenmeer kündigt weiteren
Widerstand gegen Kabelprojekte
durch die Kernzone des Nationalparks an
Die Schutzstation Wattenmeer sieht in der heutigen
Genehmigung des VikingCable durch das Brandgansmausergebiet
und die Kernzone des
Nationalparks eine fatale Fehlentscheidung.
Kernpunkt
der Kritik ist, daß mit der Genehmigung
der Trasse durch den Nationalpark gleichzeitig
eine Vorentscheidung für die Anlandung der
weit
größeren Strommengen aus den Off-shore-Windparks
gefallen ist. Nach den bisherigen Aussagen der
Landesregierung sollen alle Starkstromkabel gebündelt
an die Küste geleitet werden. Daher sind
jetzt im südlichen Nationalpark jahrelange
Bauarbeiten verschiedenster Kabelprojekte vorprogrammiert.
Rainer Schulz, Biologe der Schutzstation Wattenmeer,
hierzu: "Mit den großen Kernzonen und
dem einzigartigen Brandgansmausergebiet ist kaum
ein Bereich des Wattenmeers schlechter für
die Verlegung solcher Megakabel geeignet".
Zugleich
leistet die Landesregierung den aktuellen Bemühungen,
das Dithmarscher Watt besser zu schützen,
einen Bärendienst. Welchen Sinn haben
freiwillige Nutzungsbeschränkungen von Sportschiffern
oder Fischerei, wenn zugleich monatelange Bauarbeiten
genehmigt werden?
Das
Genehmigungsverfahren weist aus Sicht der Schutzstation
Wattenmeer schwere Mängel auf. Rainer Schulz:
"Es wurde überwiegend untersucht,
wie die Auswirkungen der Trasse durch den Nationalpark
gering gehalten werden können. Eine ernsthafte
Prüfung, ob man das Watt insgesamt umgehen
kann, fand jedoch nicht statt. Letztendlich haben
die Stromkonzerne genau die Trasse erreicht, die
sie von Anfang an wollten. Zusammen mit den
weiteren anstehenden Kabelprojekten kommen starke
Beeinträchtigungen auf den Nationalpark zu,
die auch durch Ausgleichsgelder nicht zu beheben
ist.
Die Schutzstation Wattenmeer wird daher auch weiterhin
gegen die Verlegung dieses Kabels Widerstand leisten."
Flaschenpost der Kleinwale vor Sylt
wurde
heute auf Sylt dem Landes-Umweltminister Klaus
Müller von Fiete Brunk (9 Jahre) anlässlich
einer Aktion der Schutzstation Wattenmeer
verlesen.
Lieber
Umweltminister von Schleswig Holstein, lieber
Bundesumweltminister und lieber Bundesverkehrsminister,
wir
Kleinwale möchten uns dafür bedanken,
daß Schleswig Holstein ein Walschutzgebiet
für uns eingerichtet hat, in dem wir hoffentlich
in
Zukunft ungestört kalben und fischen können.
Wie Ihr wißt, lieben wir die Gewässer
vor Sylt und Amrum, um unsere Neugeborenen in
den warmen Prielen, ganz nah am Strand, das Fischen
beizubringen.
Dazu brauchen wir unter Wasser ausreichend Nahrung
und Ruhe. Die Lustigen Zweibeiner mit ihren komischen
Schwimmbewegungen stören uns nicht. Wenn
aber schnelle Flitzer und dicke Schnellfähren
über uns hinwegbrausen, wird es ziemlich
gefährlich. Bitte sorgt nun endlich dafür,
daß das in Zukunft
nicht passiert.
Wir wollen auch keine Bomben von Bundeswehr oder
Nato auf den Kopf kriegen und nicht überall
den Lärm unter Wasser hören, der von
Bau-und Betrieb
der zahlreichen Offshore-Windparks ausgehen wird.
Wir Wale haben nämlich ein ganz besonders
empfindliches Gehör.
Vor allem haben wir Angst vor Stellnetzfischern
und Gammelfischern. In deren Netzen kommen jährlich
rund 7000 unserer Brüder, Schwestern und
Kinder
um.
Wie wir von unseren Freunden der Schutzstation
Wattenmeer erfahren haben, schützt uns das
Walschutzgebiet aber gar nicht vor diesen Netzen.
Bitte
sorgt dafür, das wir an Euren Ufern auch
in Zukunft sicher sind! Sonst hauen wir hier für
immer ab.
Eure
kleinen Schweinswale
Klaus Müller -Walkampf auf Sylt
--
Schutzstation Wattenmeer mahnt Schutzwirkung des
Walschutzgebietes an Klaus, mach Dampf für
kleine Wale!
Westerland/Sylt
Die Schutzstation Wattenmeer stoppte heute um
10:15 Uhr den Landesumweltminister Klaus Müller
anläßlich dessen Besuches auf der Insel
Sylt und überreichte ihm eine "Flaschenpost
der Kleinwale" mit der Aufschrift: "Klaus,
mach Dampf für kleine Wale". Müller
wurde gebeten, diese auch an den Bundesumwelt-
und Bundesverkehrsminister weiterzuleiten.
Damit demonstrieren die Naturschützer für
"effektiven Walschutz im einzigen deutschen
Walschutzgebiet"und fordern den Umweltminister
auf, die schleppenden Verfahren zur Verbesserung
der Schutzwirkung des
Nationalparkgebietes, in den zuständigen
Ressorts auf Landes-und Bundesebene zu beschleunigen.
Im Dezember 1999, feierte die rot-grüne Landesregierung
die Ausweisung des ersten deutschen Walschutzgebietes
vor Sylt und Amrum noch als
Haupterfolg ihrer heiß umstrittenen Nationalparkgesetz-
Novellierung. Fast zwei Jahre
später präsentiert sich das Schutzgebiet
für die Kleinwale immer noch als rechtlich
unvollständiger Torso ohne Außenwirkung.
"Wo Walschutz drauf steht muß auch
Walschutz drin sein" schimpft Lothar Koch,
Sprecher der Schutzstation Wattenmeer mit Blick
auf die Nordsee
vor Sylt und kritisiert die "Mañana-Haltung"
von Land und Bund hinsichtlich der
Umsetzung des realen Kleinwalschutzes in Deutschland´s
einzigem Walschutzgebiet. In der von dem kleinen
Fiete Brunk (9 Jahre) verlesenen
Flaschenpost kritisieren die Kleinwale gemeinsam
mit der Naturschutzgesellschaft u.a. folgende
Punkte:
1. Die Wirkung des Schutzgebietes gegenüber
der internationalen Fischerei ist bislang wirkungslos,
weil das für Fischerei zuständige Landesministerium
für Ländliche Räume, Landwirtschaft
und Tourismus den Antrag auf notwendige Ratifizierung
durch die EU nicht zügig bearbeitet,
2. Ein Tempolimit zum Schutz der kleinen Wale
vor Schnellfähren und Speedbooten existiert
nicht, weil das zuständige Bundesverkehrsministerium
erst die Novellierung von Nationalparkgesetzen
in Niedersachsen und Hamburg abwartete und ohnehin
nur die Ausweisung einer Befahrensregelung in
Betracht zieht, wenn die drei Watt-Küstenländer
diese aktiv einfordern. Dies ist bislang nicht
geschehen.
3. Selbst in den amtlichen Seekarten und Nachrichten
für die Schiffahrt existiert das Walschutzgebiet
und auch die übrigen neuen Zonierungen des
Nationalparkes schlichtweg nicht.
4. Auch in der zweiten Sommersaison nach Einrichtung
des Schutzgebietes fehlen auf den Urlaubsinseln
Sylt und Amrum jegliche amtliche Hinweise und
anschauliche Information für Einheimische
und Urlauber zu Sinn, Zweck und Regelungen des
Walschutzgebietes.
5. Unmittelbar seewärts des ausgewiesenen
Walschutzgebietes forciert die
Bundesregierung den Aufbau einer Offshore Industrie
mit fast 1000 Großwindanlagen in zahlreichen
Windparks verschiedener Firmen, ohne ein
hinreichendes Raumordnungsverfahren im Sinne des
Naturschutzes durchzusetzen.
Seehundjagd
eröffnet?
Westerland, 29.6.01
Dänen
wollen 6000 Seehunde abschießen
Dänische
Nebenerwerbsfischer stellten jetzt die Forderung
auf, 6000 der11000 in dänischen Gewässern
vorkommenden Seehunde zu töten. sie sehen
die geschützten Meeressäuger als lästige
Konkurrenz ihrer Stellnetzfischerei an.
Dagegen protestiert die Schutzstation Wattenmeer:
"Wenn die Dänen im Wattenmeer Seehunde
jagen setzen sie die internationale Wattenmeer-Kooperation
auf´s Spiel." so Lothar Koch, Sprecher
der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt.
Die
Zahl von 11000 dänischen Seehunden verteilt
sich auf verschiedene Populationen, die in der
Ostsee dem Kattegat, Skagerrak, dem Limfjord und
dem Wattenmeer leben. Für das Wattenmeer
hat die Dänische Regierung bereits innerhalb
der trilateralen Wattenmeerkooperation mit Deutschland
und Holland
versucht das Jagdverbot aufzuheben, weil ein einziger
dänischer Wattenmeerfischer sich über
Verluste in seinen Stellnetzen beklagte und in
Dänemark das Mittel der Entschädigungszahlungen
nicht möglich ist.
Dieses scheiterte jedoch an dem Veto der beiden
Nachbarstaaten. In der Ostsee versuchten Dänemark,
Schweden und Finnland bereits gegen den Widerstand
von Deutschland und Polen die Jagd auf die streng
geschützten Kegelrobben zu eröffnen.
Nun hat Schweden 180 Exemplare zum Abschuß
freigegeben und verstößt damit gegen
internationales Recht.
Soweit darf es im Wattenmeer nicht kommen, warnt
Biologe Koch . Die Seehunde in dänischen
Watten sind auch deutsche und holländische
Seehunde. Ein
Abschuss würde den langwierig erzeugten Effekt
unserer Nationalparke schnell zunichte machen.
"Hier in den Nationalparken Wattenmeer sind
die Seehunde seit dem Jagdverbot sind die Seehunde
im Watt zutraulicher geworden. Urlauber lieben
es,
die Tiere beim Strandspaziergang zu beobachten.",
so Koch.
Tel:
04651/26088, 01702146225
Hintergrund-Informationen
Experten:
Bejagung von Seehunden nicht zu rechtfertigen
Der
in den letzten Jahren stetig anwachsende Seehundbestand
im Wattenmeer sorgt zunehmend für Unruhe
an der Küste. Besonders aus Fischer- und
Jägerkreisen ist die Auffassung zu vernehmen,
der Bestand müsse unbedingt wieder bejagt
werden. Nun haben dänische Nebenerwerbsfischer
mitten in
der Säugezeit der Seehunde mit ihrer Forderung
nach dem Abschuss von 6000 Tieren allein in dänischen
Gewässern für Empörung bei Naturschützern
und
Touristen gesorgt.
Deutsche
Wildbiologen halten vehement gegen diese Forderung:
"Eine Wiederaufnahme der Bejagung, ist aus
wissenschaftlicher Sicht nicht zu rechtfertigen
und auch nicht jagdgerecht durchzuführen",
meinen unisono die Biologen Kai Abt vom Forschungs-und
Technologiezentrum Büsum, Thomas Borchardt
aus dem Nationalparkamt Schleswig Holsteinisches
Wattenmeer und Lothar Koch von der Schutzstation
Wattenmeer. Sie weisen jedoch auch darauf hin,
daß die Tötung von vereinzelt an Stränden
angelandeten, kranken Heulern durch
Sie weisen jedoch auch darauf hin, daß die
Tötung von vereinzelt an Stränden angelandeten,
kranken Heulern durch fachkundige Seehundjäger
notwendig sein kann.
Wattreport stellt hier ihinblick auf Seehunde
im Wattenmeer den Hauptargumenten von Fischern
und Jägern Aussagen aus Wissenschaft und
Naturschutz gegenüber:
Argument
Nr. 1:
Es gibt viel zu viele Seehunde
Gegenargumente: Wer kann beurteilen was viel und
was wenig ist?
Konkrete Bestandszahlen aus einer jagdfreien Zeit
existieren nicht. Lediglich Hochrechnungen aus
historischen Jagdstatistiken. Diese schätzen
den Bestand zur Jahrhundertwende (1900) für
das internationale Wattenmeer etwa doppelt so
hoch ein wie die derzeit gezählte Individuenzahl
von
ca. 17 000 Tieren (geschätzter Bestand bis
zu 30% höher). Offensichtlich verwechseln
die Jagdbefürworter das historische
Bestandsminimum Mitte der 1970er-Jahre (unter
4000 Tiere) mit der möglichen natürlichen
tragfähigen Bestandsgröße. Das
niedrige Bestandsniveau war
jedoch durch die lukrative Jagd auf den Seehundspelz
künstlich erzeugt worden.
Sollten wir es nicht der Natur selbst überlassen
zu bestimmen, wie viele Seehunde im Watt leben
können?
Die heutige Bestandsgröße kann ohnehin
nicht mit der Flinte reguliert werden- Wie sollten
denn 10-20.000 Seehunde vernichtet werden, um
wieder einen Bestand "wie damals" zu
erhalten?
Die
Natur regelt sich in Großschutzgebieten
selbst: über das Raum-und Beuteangebot wird
die Kapazitätsgrenze einer räuberischen
Art in ihrem
Lebensraum bestimmt.
Platznot ist für Seehunde im Watt nicht auszumachen.
Selbst bei steigendem Bestand ändern sich
die Dichten lokal kaum. Die ohnehin stets engliegenden,
sozialen Tiere nutzen zur Zeit die optimalsten
Liegeplätze. Viele weitere Sandbänke
im Watt würden bei aufkommendem Dichtestress
noch zur Verfügung stehen.
Beispiele aus Südafrika, Großbritannien
und Amerika zeigen zudem, daß Robbenkolonien
anderer Arten mit erheblich höheren Dichten
ohne Probleme existieren können.
Argument
Nr. 2:
Krankheiten und Seuchen sind bei den aktuellen
Bestandszahlen vorprogrammiert. Der Seehundbestand
muß "gesundgeschossen werden".
Gegenargumente:
Das in diesem Zusammenhang oft zitierte und heraufbeschworene
Seehundsterben von 1988 fand bei einem Bestand
von rund 10.000 Tieren im
internationalen Wattenmeer statt. Wenn das Dichte-Argument
gelten sollte,
hätte es also schon längst wieder ein
Massensterben geben müssen.
Auch
die Gleichung: Kleiner Bestand = größere
Gesundheit geht nicht auf:
In den 1970er und 1980er-Jahren waren die Seehunde
bei einer Bestandsgröße von unter 7000
Exemplaren bereits sehr stark mit Parasiten (vor
allem
Herz- und Lungenwürmern) durchseucht und
hatten außerordentlich oft große,
deutlich sichtbare Bauchwunden. Diese Wunden hatten
sie sich bereits
als Jungtiere bei der häufigen Flucht vor
Störungen von den Liegeplätzen ins Wasser
zugezogen. Beim Robben über den Sand infizierte
sich der noch
unverheilte Nabel und heilte später nicht
ab.
Erst nachdem 1974 die Jagd auch in Schleswig Holstein
beendet wurde nahm der Bestand ab ca. 1978 langsam
wieder zu. Später folgten Schutzzonen,
Nationalpark und Befahrensregelung. Dies dürfte
zur Abnahme von Fluchtbereitschaft und Streß
beigetragen und sich positiv auf die Tiere ausgewirkt
haben.
Die Sterberate, gerade bei Jungtieren, halbierte
sich und die Population begann zügiger zu
wachsen. Auch heute gibt es kränkelnde Seehunde,
wo es
gerechtfertigt ist, diese fachgerecht zu töten,
um ihr Leiden zu verkürzen.
Insgesamt wird der Gesundheitszustand der Population
im Vergleich zu den Siebziger Jahren jedoch als
relativ gut eingeschätzt. Das Argument, daß
der bejagte, kleinere Seehundbestand damals viel
gesünder
gewesen sei, ist also falsch.
Argument
Nummer 3: Die Seehunde sorgen für den Zusammenbruch
der Fischbestände im Wattenmeer.
Gegenargumente:
Die Größe der Fischbestände wird
eindeutig überwiegend von der Fischerei bestimmt.
Die Seehunde müssen davon leben, was der
Mensch im Meer übrig läßt. Nordseeweit
"ernten" sie etwa nur 1 % des Fischbestandes
ab.
Die
Fischereistatistiken der vergangenen Jahrzehnte
zeigen unmissverständlich, daß viele
Fischarten in der Nordsee schon überfischt
waren, bevor der Seehundbestand auch nur annähernd
seine gegenwärtige Größe erreicht
hatte. An den Robben kann es daher nicht gelegen
haben.
Die
Fischereibiologen können aber nachweisen,
daß nur eine Absenkung des Fischereiaufwandes
zur Erholung von Fischbeständen führen
kann. Das
problematischste "Raubtier" auf dem
Meer ist also der Mensch.
Britische Wissenschaftler haben zum Beispiel für
die dort heimischen 120 000! Kegelrobben nachgewiesen,
daß diese nur einen verschwindend geringen
Teil der Zielarten der Fischerei wegfressen.
Eine
Studie über die ca. 1 Million südafrikanischen
Seebären vor Namibia zeigt, daß die
Wirkung auf den Fischbestand, der durch die moderne
Fischerei
verursacht wird, sehr viel größer ist
als der durch die Robben verursachte.
Das
Argument, Robben machten den Fischern ernsthafte
Konkurrenz, ist somit in keiner Weise belegt.
Wenn Nebenerwerbs-und Hobbyfischer sich darüber
aufregen, daß Seehunde vereinzelt in ihren
Netzen räubern (und sich nicht selten darin
selbst
ertränken) darf das kein Argument für
die Bejagung des Bestandes sein.
Argument Nr. 4
Seehunde haben keine Feinde, daher müssen
sie vom Menschen reguliert werden.
Gegenargumente:
Welche natürlichen Feinde sollen die Seehunde
denn jemals im Watt gehabt haben? Schwertwale
waren hier noch nie heimisch, und auch Wölfe
und
Bären haben sich noch nie auf den Sandbänken
anschleichen können. Seehunde sind bei uns
die natürlichen Endglieder der Nahrungskette-und
das ist schon immer so gewesen.
Und
außerdem- Der Nationalparkeffekt:
Immer
mehr Urlauber freuen sich darüber, daß
sie öfter wildlebenden Robben beim Strandspaziergang
oder bei Fahrten zu den Seehundbänken im
Nationalpark begegnen.
Die Tiere haben nicht mehr so hohe Fluchtdistanzen,
wie zu Jagdzeiten im Wattenmeer. Ein nicht zu
unterschätzender Pluspunkt für die Attraktivität
unserer naturnahen Urlaubsregion, von der wir
alle leben.
Eine Bejagung der Seehunde würde also massiv
dem Naturimage der Westküste und damit dem
Tourismus schaden.
Watt-ID: 31
Clean
Hunter stört Vögel und Robben
NATO-Tieffliegereinsätze stören zur
Brut- und Seehund-Setzzeit im Wattenmeer
Clean
Hunter" nervt Natur
Rendsburg/Husum
19.6.2001 14.45
Trotz langjähriger Proteste der Schutzstation
Wattenmeer beharrt die NATO offenbar darauf, den
Luftraum über dem Nationalpark Wattenmeer
als
Manövergebiet zu mißbrauchen. Gestern
hat die NATO-Übung "Clean Hunter 2001"
begonnen, während der Tiefflieger wieder
donnernd über Kurorte,
Seehundbänke und Brutkolonien im Bereich
des Nationalparkes Schleswig Holsteinisches
Wattenmeer fliegen sollen. "Ausgerechnet
zur sensibelsten Zeit im biologischen Jahresgang
des Wattenmeeres sind solche Manöver nicht
zu
verantworten", protestiert Biologe Lothar
Koch von der Schutzstation Wattenmeer: "Viele
Seevogelarten versuchen ihre Brut ungestört
zu verrichten
und bei den Seehunden hat soeben die Wurfzeit
begonnen." Das Manöver über dem
Nationalpark soll noch bis zum 29.6. andauern.
Die Schutzstation
Wattenmeer wird jede Störung registrieren
und melden.
"Dabei
ist Natur und Mensch am Wattenmeer dieses Jahr
schon durch das schlechte Wetter arg in Mitleidenschaft
gezogen worden. Da muß die Nato
mit ihrem Manöver "Clean Hunter"
Vögeln, Robben und Menschen nicht noch zusätzlich
auf die Nerven gehen", so Lothar Koch, Sprecher
der Schutzstation
Wattenmeer. Bereits zweimal gab der überwiegende
Teil der bodenbrütenden Seevögel wegen
stürmischer Überschwemmungen ihre Nester
dieses Frühjahr
auf und in der Seehundaufzuchtstation Friedrichskoog
landeten bereits vor Beginn des Manövers
10 Seehundheuler. Weitere drastische Störungen
könnten den Brut-und Wurferfolg gefährdeter
Arten für dieses Jahr endgültig zunichte
machen.
"Verweise
der Bundeswehr, es würde sich hier um ein
internationales Manöver handeln, dessen Terminierung
wegen der übrigen Natopartner nicht zur Disposition
stünde, sind nicht stichhaltig. Schließlich
spielen sich
die Brutzeit der Vögel und die Setzzeit der
Seehunde jedes Jahr europaweit zur gleichen Zeit
ab. Zudem ist der sensible Nationalpark Wattenmeer
als ein
international bedeutendes Schutzgebiet in Europa
bekannt. Hingegen werden Natomanöver routinemäßig
langfristig geplant und können in weniger
sensible
Zeiten und Bereiche verlegt werden.", so
Koch.
Zwar
darf die NATO offiziell nicht unter 1000 m über
den Nationalpark hinweg fliegen, aber in öffentlichen
Bekanntmachungen wurde die Insel-und
Halligbevölkerung bereits darauf hingewiesen,
"daß mit Störungen durch Hubschrauber
und Flugzeugverkehr zu rechnen ist, der die zulässige
Flughöhe
unterschreitet."
Vergangenes
Jahr hatte sich der Sprecher des alliierten Luftkommandos
in Ramstein nach den Beschwerden des Umweltministers
zu Luftkämpfen über dem Wattenmeer noch
damit entschuldigt, man würde die Nordseeküste
ja nur vom eigenen Urlaub und Überflug kennen
und nicht wissen, daß es ein
sensibles Naturgebiet sei. "Auf solche Ausreden
wird man sich dieses Jahr nicht mehr zurückziehen
können, wenn es tatsächlich zu drastischen
Störungen
kommt, so die Schutzstation Wattenmeer. Die Naturschutzgesellschaft
fordert ein dauerhaftes Ende militärischer
Aktionen im Nationalpark.
Für
Rückfragen: Lothar Koch, Schutzstation Wattenmeer
Tel: 04651/26088,
01702146225
Watt-ID: 30
WINDKRAFTBOOM
WESTERLAND,
13.6.01
Offshore-Windenergie -Förderung mit mehr
Rücksicht auf marine Umwelt geplant: Ende
des Windspargel- Wildwuchses auf See in Sicht?Im
Vorfeld des am 14.6. in Berlin beginnenden BMU-Kongresses
"Offshore-Windenergienutzung und Umweltschutz"
begrüßt die
Schutzstation Wattenmeer Bemühungen des Bundesumweltministeriums
(BMU), die Entwicklung
der Offshore-Windkraftnutzung deutlicher in naturverträgliche
Bahnen zu lenken. "Das neue Positionspapier
des BMU ist ein Schritt in die
richtige Richtung" sagte Lothar Koch, Pressesprecher
der Naturschutzgesellschaft. Es zielt ab auf eine
abgestuften Förderung der sanften Energie,
bei
gleichzeitiger Schonung der marinen Umwelt. "Wenn
zusätzlich der Bundestag eine Fristverlängerung
des "Windkraft-Förder-Gesetzes"(EEG)
über 2006 hinaus
gewähren würde, wäre viel Zeitdruck
aus der notwendigen Offshore-Diskussion genommen",
so Koch.
Mit dem Inkrafttreten des "Erneuerbare-Energien-Gesetzes"
(EEG) setzte Anfang 2000 ein unglaubliches "Windhundrennen"
der Windkraftbetreiber-Firmen
auf lukrative Windparkflächen auf offener
See ein. Obwohl die erforderliche Technologie
für Offshore-Windkraftparks in der geplanten
Größe noch gar
nicht existiert, wurden und werden die Claims
auf hoher See abgesteckt.
Denn nur wer "seinen" Windpark bis 2006
in Betrieb hat, erhält die volle Förderung
durch das EEG.
Als Folge dieses künstlich erzeugten Zeitdrucks
liegen inzwischen allein für den deutschen
Hochseebereich in der "Ausschließliche
Wirtschaftszone" (AWZ) 13 Anträge verschiedenster
Firmen für große Windparks mit über
1000 High-Techmühlen von bis zu 150 m Höhe
vor, deren Auswirkungen auf die Tierwelt noch
weitgehend unbekannt sind. Auf die möglichen
problematischen Folgen dieses "Windspargel
Wildwuchses" auf die Fauna von Nord-und Ostsee
wies die Schutzstation Wattenmeer schon mehrfach
hin.
So entstünde beispielsweise zwischen Helgoland
und der dänischen Grenze eine quer zur Hauptvogelzugrichtung
liegende Kette einzelner Windparks, deren
Strom durch einzelne Kabel abgeführt werden
müsste, die voraussichtlich durch Wattenmeernationalparke
gelegt würden. Im Positionspapier des
Bundesumweltministeriums (www.bmu.de/erneuerbare-energien)
spiegeln
sich jetzt viele Forderungen der Schutzstation
Wattenmeer in Hinblick auf ein behutsames, raumplanerisches
Vorgehen wider. So soll die
Windkraftnutzung in der deutschen Nordsee zunächst
auf zwei Gebiete weit entfernt von Sylt
und Borkum konzentriert werden. Dort sollen an
kleineren Pilotwindparks die Auswirkungen von
Bau und Betrieb der Windmühlen auf Vogelwelt
und Meeresfauna zunächst näher untersucht
werden, bevor es zur Umsetzung von Großplanungen
kommt. Basis der weiteren Flächenfindung
sollen dann die
Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte zum
Vogelzug sowie zum Verhalten von Meeressäugern
oder Wanderfischen sein. "Hiermit ergibt
sich
erstmals ein ernsthafter Ansatz für eine
abgestimmte Gesamt-Raumplanung in den deutschen
Seegebieten, bei gleichzeitiger Förderung
der Windenergie.
Wichtig ist allerdings, daß dieser Ansatz
auch konsequent umgesetzt wird." so die
Schutzstation Wattenmeer.
Kleinwale
kalben/stranden bei Sylt
Westerland 8.6.2001
Wenige
Tage nach der Strandung eines 15 m langen, toten
Finnwals erlebte Sylt heute Nachmittag eine weitere
Walstrandung. Diesmal handelte es sich
jedoch um ein nur knapp 45 cm langes Schweins-walbaby,
das gegen 16 Uhr direkt am Brandenburger Strand
den Mitarbeitern der Surfschule Westerland
vor die Füße gespült wurde. Auf
den Rat der alarmierten Schutzstation Wattenmeer,
wurde das lebende Walkalb von einem Schwimmer
wieder in die
Nordsee zurückgebracht.
"Im Walschutzgebiet vor Sylt hat pünktlich
die Wurfzeit der Kleinwale eingesetzt", sagt
Lothar Koch Sprecher der Schutzstation Wattenmeer.
"Wenn
die unerfahrenen Neugeborenen starker Brandung
ausgesetzt sind, werden sie schon mal lebend auf
den Strand geworfen. Je schneller sie wieder zurück
ins
Meerwasser, möglichst hinter die Brandungslinie
kommen, um so größer ist ihre Überlebenschance".
Im schleswig-holsteinischen Hoheitsgebiet vor
Sylt und Amrum rechnet man mit einem Bestand von
bis zu 6000 Schweinswalen. Wegen der Bedeutung
des
Gebietes als Wurf-und Aufzuchtgebiet der gefährdeten
Kleinwalart wurde hier
im Dezember 1999 das erste Walschutzgebiet Europas
eingerichtet. Dieses hat seine erste Bewährungsprobe
schon bestanden: Mehrere Hundert große
Windkraftanlagen können dank des Schutzgebietes
nicht unmittelbar vor den Inseln, sondern nur
jenseits der 12 Meilen Grenze geplant werden.
Hörnumer Finnwal geborgen Hörnum 3.6.2001
Trotz
technischer Probleme konnte der Finnwal, der heute
morgen am Hörnumer Strand antrieb, in kurzer
Zeit geborgen werden. Gegen 14: 00 Uhr ließ
die Tide es zu, mit den Bergungsarbeiten zu beginnen.
Bis dahin hatten sich bereits an die Hundert Schaulustige
am Strand angesammelt, die von Mitarbeitern der
Schutzstation Wattenmeer über die Ökologie
der Wale
informiert wurden. Mitarbeiter der Gemeinde Hörnum
und des "Amt Landschaft Sylt" versuchten
zunächst mit zwei Radladern den Kadaver anzuheben.
Nachdem dieses mißlang wurde eine mehrere
zentimeterdicke Nylon-Schiffstrosse um die Schwanzfluke
des gut 15 m langen Wales gelegt. Diese riß
jedoch beim Anschleppen. Erst nachdem der Wal
per Hand mit scharfen Flensmessern in zwei Teile
geschnitten wurde, gelang dann bei strömendem
Regen der Abtransport.
Der Kadaver wird nun zunächst an geeigneter
Stelle bis nach Pfingsten zwischengelagert. Dann
wird das zuständige Kreisveterinäramt
über den weiteren Entsorgungsweg entscheiden.
Das Forschungs-und Technologiezentrum in Büsum
will noch heute Mitarbeiter auf die Insel schicken,
die dem Kadaver Proben zur weiteren Untersuchung
entnehmen. Die Schutzstation Wattenmeer spricht
sich dafür aus, daß Teile des gestrandeten
Tieres zu Ausstellungszwecken in Hörnum bleiben.
Finnwal strandete bei Hörnum auf Sylt (2.6.01)
In den frühen Morgenstunden wurde am Hörnumer
Nordstrand ein lebloser großer Furchenwal
angetrieben. Dabei handelt es sich nach Aussagen
der in Hörnum ansässigen Schutzstation
Wattenmeer um einen männlichen Finnwal. Finnwale
sind, nach dem Blauwal, die zweitgrößte
Tierart der Erde und können bis zu 26 m lang
werden. Bei dem getrandeten Exemplar handelt es
sich jedoch um ein kleineres, etwa 15 m langes Exemplar.
"Genaue Vermessungen können erst
gemacht werden, wenn das Wasser soweit abgelaufen
ist, daß wir bequem an den Kadaver herankommen,
sagte Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer."
Damit ist gegen 14 Uhr zu rechnen. Hartmut Müller,
der Bürgermeister der Gemeinde Hörnum,
berät zur Stunde mit einer Expertengruppe,
wie, wann und wohin das Tier abgeborgen werden soll.
Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer sorgen
derzeit vor Ort für die Information und Lenkung
der schaulustigen Strandwanderer. Größere
Stücke der für Furchenwale typischen
Barten sind bereits sichergestellt worden, um sie
vor Diebstahl oder Abdrift zu schützen. Die
oberste Naturschutzbehörde wird später
entscheiden, ob diese Walteile für Ausstellungszwecke
genutzt werden dürfen. Finnwale stehen unter
dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens.
Daher ist es verboten jegliche Körperteile,
auch von toten Tieren, unbefugt an sich zu nehmen.
Die Barten dienen den Finnwalen zur Nahrungsaufnahme.
Eine große Wassermenge wird ins Maul gesogen
und dann mit der mächtigen Zunge durch die
Barten wieder herausgedrückt. Von den Barten
werden Kleinkrebse (Krill) in großen Mengen
zurückgehalten, um dann verschluckt zu werden.
In der Nordsee findet man diese Krebstiere nicht.
Daher ist die Nordsee kein geeigneter Lebensraum
für Furchenwale. Es handelt sich also bei dem
Finnwal um einen Irrgast, der
möglicherweise schon tot in die Deutsche Bucht
hineintrieb. Der Walkadaver weist schon deutliche
Spuren der Zersetzung auf.
Der letzte Finnwal strandete auf Sylt am 7.2.1995
bei Wenningstedt. Damals ergaben Untersuchungen
des Fettkörpers einen extrem erhöhten
Schadstoffgehalt (Chlorparafine) des Tieres. Diese
können das Immunsystem schädigen.
Watt-ID:
24
Fraunhofer-und Ökoinstitut präsentieren
Forschungsergebnisse zum Klimaschutz
Wer macht noch Wind für Energiesparen? Die
aktuelle Offshore-Windkraft-Diskussion, weckt immer
mehr den Eindruck, daß nur diese Form der
alternativen Energiegewinnung die Küste vor
der sicheren CO2-Katastrophe retten kann. So sollen
offenbar Bedenkenträger
aus dem Naturschutz, die selbst jahrelang für
Alternativenergien gestritten haben, nun als Umweltschutzbremser
hingestellt werden.
Tatsache
ist jedoch, daß die gesteckten Ziele im
Klimaschutz nur über das gleichzeitige Verfolgen
vieler Wege erreicht werden kann. Der wichtigste
und gleichzeitig unpopulärste Weg ist und
bleibt das Energiesparen: Die Beiträge, die
jeder zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz
zur Entlastung der Umwelt leisten kann, sind alles
andere als "Peanuts".
Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts
für Systemtechnik und Innovationsforschung
ISI, Karlsruhe, des Öko-Instituts, Darmstadt,
und der Technischen Universität München
im Auftrag des Umweltbundesamts. Die Institute
untersuchten die Sektoren Gewerbe, Handel, Dienstleistung
und Haushalte auf Möglichkeiten zur Verminderung
der Kohlendioxid-Emission durch
energiesparendes Verhalten. Die Ergebnisse unterstreichen
die kürzlich
vom Fraunhofer ISI geäußerte Behauptung,Deutschland
könne auf die Nutzung der
Kernkraft verzichten.
Um
insgesamt 23 Millionen Tonnen ließen sich
in Deutschland die CO2-Emissionen allein in Gewerbe,
Handel und Dienstleistung senken; das sind etwa
16 Prozent des Gesamtausstoßes in diesem
Bereich. Bereits heute läßt sich der
Stromverbrauch um ca. 14 Milliarden Kilowattstunden
pro Jahr durch Abschalten von Stand-by, Anpassen
der Betriebszeiten von Geräten an die
tatsächliche Nutzung oder manuelles Zu- und
Abschalten der Beleuchtung reduzieren. Dies entspricht
ungefähr dem Jahresstromverbrauch der Stadt
Berlin. Hinzu kommen Einsparpotenziale bei der
Raumwärme von 50 Milliarden Kilowattstunden
pro Jahr und beim Warmwasser von jährlich
10 Milliarden Kilowattstunden.
Einen
noch höheren Stellenwert räumen die
Forscher den Verhaltensmaßnahmen in Haushalten
ein. Das Reduktionspotenzial liegt hier bei ca.
61 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das ist ein
Drittel der gesamten CO2-Emissionen der deutschen
Haushalte. Besonders effizient sind Maßnahmen,
die den Energieverbrauch für Raumwärme
reduzieren. Sie machen 87 Prozent des
Einsparpotenzials aus. Wer also aufpaßt,
daß die Heizkörper nicht mit Möbeln
zugestellt sind, die Fenster nicht bei voll aufgedrehter
Heizung aufreißt und auf angemessene Raumtemperaturen
achtet, leistet einen beachtlichen Beitrag zum
Klimaschutz. Ein durchschnittlicher Haushalt spart
dadurch zugleich bis zu 600 DM jährlich.
Würden alle empfohlenen Verhaltensmaßnahmen
durchgeführt, wäre zusammen mit der
Entwicklung immer sparsamerer Geräte das
von der Bundesregierung für das Jahr 2005
gesteckte Ziel erreicht, nämlich eine um
25 Prozent verminderte Kohlendioxidemission gegenüber
1990. "Ein schöner Gedanke, aber leider
weit weg von der Realität", sagt Edelgard
Gruber, Projektleiterin am Fraunhofer ISI.
Haushaltsbefragungen
und die Untersuchung bereits durchgeführter
Programme zur Förderung des klimagerechten
Verhaltens zeigen, daß nur wenige Prozente
des Potenzials tatsächlich erschlossen werden
können. Gewohnheiten, Unkenntnis und fehlende
Motivation stehen der vollständigen Ausschöpfung
der Möglichkeiten entgegen.
Für
2005 kann daher nur mit einer Reduktion von 8
Millionen Tonnen Kohlendioxid gerechnet werden,
für 2020 mit 19 Millionen Tonnen. Entscheidend
ist jedoch, daß die Zielgruppen spezifisch
angesprochen und jeweils Anreize geschaffen werden.
"Mit dem erhobenen Zeigerfinger
kommt man in der heutigen Zeit nicht weit",
so Gruber.
Watt-ID: 22
Ersetzt Freiwilligenjahr bald Wehr- und Zivildienst?
Die bereits erfolgte Verkürzung des Zivildienstes
und die Absicht der Regierung, Wehrpflicht und Zivildienst
eventuell ganz abzuschaffen, löste im vergangenen
Jahr breite Diskussionen um die Einrichtung sozialer
und umweltschutzorientierter Freiwilligendienste
aus. Bei Gesprächen in
Berlin sitzt für die Schutzstation Wattenmeer
und andere Umweltverbände unser
Mitarbeiter Diplombiologe Rainer Borcherding mit
am Tisch. Hier sein Zwischenbericht:
Die
auf Bundesebene laufende Debatte um Freiwilligendienste
entwickelt sich zügig weiter. Dies ist ein
Ergebnis der am 9.4. von der Fraktion "Bündnis90/Die
Grünen" durchgeführten Expertenanhörung.
Nach
den Plänen des Familienministeriums soll
der Bundestag im Herbst 2001 eine Novellierung
der Gesetze über das Freiwillige Soziale
bzw. Ökologische Jahr (FSJG / FÖJG)
verabschieden. Darin sollen die sozialrechtlichen
Aspekte der jugendbildenden Freiwilligendienste
vereinheitlicht werden.
Außerdem soll künftig die Leistung
eines Freiwilligenjahres junge Männer von
der Ableistung der Wehrpflicht befreien.
Die
Schaffung neuer "Vollzeit"-Freiwilligendienste
für Menschen aller Altersgruppen, unter anderem
voraussichtlich auch eines Freiwilligen Umweltjahres,
wird dagegen auf die nächste Legislaturperiode
vertagt. Dies ist einerseits verständlich,
da in einem Freiwilligengesetz komplizierte Fragen
zu klären sind: Sozialversicherung, Abgrenzung
verschiedener Formen von Ehrenamtlichkeit und
Arbeitsmarktneutralität. Andererseits steht
zu befürchten, daß sich nach Ablauf
des "Jahres der Freiwilligen 2001" die
weitere Gesetzgebung im Sande verläuft. Damit
würde die Chance verschenkt, dem ehrenamtlichen
Engagement im Umwelt-, Sozial- und
Kulturbereich neue Impulse zu geben.
Auch
ist noch keineswegs klar, wie der voraussichtliche
Wegfall der Zivildienstleistenden aufzufangen
wäre, wenn die Freiwilligendienste nicht
wesentlich attraktiver gestaltet werden, als sie
es derzeit sind. An dieser Thematik arbeitet mit
Hochdruck das Bundesfamilienministerium.
Das
Umweltministerium hat nur einen begrenzten Handlungsspielraum,
da es für Freiwilligendienste formal nicht
zuständig ist.
Die Umweltverbände begleiten mit einer Arbeitsgruppe
den Prozeß und führen mit Politikern
und Verwaltung Gespräche.
Die
Verwaltungsstellen des Freiwilligen Ökologischen
Jahres, über 50 im Bundesgebiet, wollen am
31.5. einen Dachverband bilden. Es ist zu wünschen,
daß danach ein inhaltlicher Schulterschluss
mit den Umweltverbänden erfolgt.
Derzeit gibt es noch Meinungsdifferenzen über
die Frage, wie gewichtig der Umweltschutzaspekt
im Vergleich zur Jugendbildung innerhalb des FÖJ
ist. Die Bundesländer haben in ihrer letzten
LANA-Sitzung die Bildung einer Arbeitsgruppe zum
Themenfeld Arbeitskräfte im Umweltbereich
leider zunächst abgelehnt.
Umweltverbände
oder Personen, die sich in den laufenden Diskussionsprozeß
einbringen oder auf Landesebene bei Veranstaltungen
zum "Internationalen Jahr der Freiwilligen"
Umweltschutzpositionen in die Diskussion einbringen
möchten, können sich bei Rainer Borcherding
informieren:
Tel. 04841/87919, rb@schutzstation-wattenmeer.de
Watt-ID:
17
Verdiente Würdigung für Dr. Peter Prokosch
Goldene Feder für Naturschutzforschungsprojekt
Dr.
Peter Prokosch wurde von der Staatssekretärin
des Kieler Umweltministeriums, Frau Henriette
Berg, im Namen des Landes die "Goldene Ringelgansfeder"
verliehen.
Dies
geschah kürzlich im Rahmen der vom NationalparkService,
dem WWF, den Halligen und der Schutzstation Wattenmeer
auf Hallig Hooge veranstalteten IV. Ringelganstage.
Mit
dieser Auszeichnung, so Staatssekretärin
Berg, will der Naturschutz in Schleswig-Holstein
die herausragenden Verdienste Dr. Prokoschs für
die Ringelgansforschung würdigen. Die vergoldete
Feder stammte denkwürdigerweise
vom Totfund einer Ringelgans, die Peter Prokosch
selbst vor 18 Jahren auf Eiderstedt mit seiner
Forschungsgruppe beringt hatte.
Durch seinen unermüdlichen Einsatz, so die
übereinstimmende Meinung aller anwesenden
Behörden- und Naturschutzvertreter, habe
Dr. Prokosch persönlich ganz wesentlich dazu
beigetragen, aus der verfemten Ringelgansfrage
eine
Erfolgsstory für den Naturschutz werden zu
lassen.
Noch
vor einem Jahrzehnt hätte Dr.Prokosch, der
heute in Oslo den Arktisschutz des WWF leitet,
einen solchen Gesinnungswandel als "absurde
Utopie" bezeichnet, denn zu damaliger Zeit
beklagten sich vor allem die Landwirte in vielen
Presseberichten über die "Landplage
und Heimsuchung der Ringelgansschwärme".
Die Bauern sahen sich durch die grasenden Gänse
in
ihrer Existenz bedroht und beklagten sich über
zu geringe Entschädigungszahlungen für
den Gänsefraß seitens des Landes Schleswig-Holstein.
"Heute", so führte Landrat Olaf
Bastian in seinem Grußwort aus, "gibt
es auf Hooge nur Nutznießer des Vogelzuges:
die Einwohner, die Touristen und die Natur".
Als Dr.Prokosch 1973/1974 seinen Zivildienst bei
der Schutzstation Wattenmeer in der Halligwelt
leistete, steckte das internationale Ringelgansprogramm
noch in den allerersten Anfängen. Sein persönlicher
Kontakt zum Biologen Andrew St.Joseph, der in
England im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeiten
mit der Farbring-Kennzeichnung von
Ringelgänsen begonnen hatte, weckten bei
Peter Prokosch das eigene Interesse und ein
besonderes Engagement für diese Vogelart.
Schon
nach kurzer Zeit wurde Peter Prokosch Koordinator
der Ringelgansprojekte im deutschen Wattgebiet.
Dabei arbeitete er in enger , internationaler
Zusammenarbeit mit Andrew St.Joseph und niederländischen
Kollegen und mit wissenschaftlicher Unterstützung
des Internationalen Büros
für Wasservogelforschung IWRB -Slimbridge/England.
Ziel
war es:
- die außergewöhnlich dynamische Populationsentwicklung
der Ringelgans zu verfolgen und bestandsbeeinflussende
Maßnahmen zu erkennen.
-
die ökologischen Funktionen der einzelnen
von der Art aufgesuchten Teilgebiete innerhalb
ihres Jahres/Lebensraumsystems zu ermitteln.
-
die gewonnenen Erfahrungen in praktische Naturschutzkonzeptionen
umzusetzen.
Es
war schon ein Unterfangen besonderer Art, sich
damals für den Schutz dieser Gänseart
einzusetzen. Erst der international erwirkte Jagdschutz
ermöglichte eine langsame
Erholung des Ringelgans-Weltbestandes, der in
den 50er Jahren seinen Tiefstand erreicht hatte.
Begünstigt wurde diese Entwicklung noch durch
Bruterfolge in den arktischen Brutgebieten.
In
den europäischen Überwinterungsgebieten
und dem Wattenmeer wurden hingegen die lokal konzentriert
auftretenden Gänseschwärme als "der
Einfall der schwarzen Pest" bezeichnet. Bei
der oft sehr emotional geführten Eindeichungsdiskussion
in den 80 er Jahren gipfelten die Anwürfe
gegenüber den Schutzanliegen in der polemischen
Behauptung: "Naturschützern
ginge es darum, Gänse- statt Menschenschutz
betreiben zu wollen."
Gegen
die Unhaltbarkeit und Unsinnigkeit derartiger
Behauptungen ist schon damals viel gesagt worden;
doch erst nach und nach (z.B. durch die Errichtung
des Nationalparks S-H Wattenmeer) kam es zu einer
Versachlichung
der Diskussion in der Ringelgansfrage.
Durch
die Vergabe einer auf das Ringelgansthema ausgerichteten
Diplomarbeit an Peter Prokosch (Uni Kiel, Prof.
Wolfhart Schulz) erfuhr dessen langjähriges
Engagement erneut eine Ausweitung und Steigerung.
Für die Durchführung der von ihm initiierten
Gänse-Synchronzählung gelang es Peter
Prokosch einen küstenweit tätigen Mitarbeiterkreis
im deutschen Wattgebiet aufzubauen, an dem u.a.
auch die Schutzstation Wattenmeer mit dem
Netzwerk ihrer Mitarbeiter teilnahm. Auch heute
wird dieses wichtige Monitoring
von uns im Rahmen gemeinsamer Projekte weitergeführt..
Zur
Organisation und nachfolgenden Information über
die Zählungsergebnisse und den Stand der
Forschung gab Peter Prokosch einen regelmäßig
erscheinenden "Ringelgans-Rundbrief"
heraus. Durch die Beobachtungen der vielen Mitarbeiter
und die Koordinierung und Auswertung des Daten-
und Zahlenmaterials wurde es möglich, innerhalb
nur weniger Jahre genaue
Kenntnis über: Zugverhalten, Ortstreue, Verweildauer,
soziales Verhalten, Freßgewohnheiten und
Gewichtszunahme der Gänse zu erlangen. Ganz
wesentlich wurden diese Ermittlungen durch die
Beobachtung der vielen unter Einsatz von Kanonennetzen
gefangenen und mit Farbringen gekennzeichneten
Ringelgänse
ermöglicht.
Wenn
heutzutage die Möglichkeiten zu naher, unmittelbarer
Ringelgansbeobachtung auf dem besten Weg sind
zu einer außergewöhnlichen Touristenattraktion
zu werden, so mag Dr. Prokosch darin für
sich nach langen Jahren der Verunglimpfung auch
den Erfolg seines unbeirrbaren Einsatzes für
diese Vogelart erkennen.
Watt-ID:
16
Manjana-Haltung im Behördendschungel geschoben?
Eine
Anpassung der im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer gültigen Befahrensregelung auf
die seit der Gesetzesnovellierung im Dezember
1999 ausgewiesenen Zonen des Schutzgebietes ist
erst zu erwarten, wenn alle drei Wattenmeerländer
ihre Gesetzesnovellierungen abgeschlossen haben
und die Notwendigkeit einer neuen Befahrensregelung
deutlich machen. Dies geht aus einem Schreiben
des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage
der Schutzstation Wattenmeer zurück (s. Wattreport
4/01).
Die
Parlamentarische Staatssekretärin Frau MdB
Angelika Mertens schreibt: "Da gegenwärtig
auch andere Küstenländer (Hamburg, Niedersachsen)
an der Novellierung ihrer Nationalparkgesetzgebung
arbeiten, wird vom BMVBW nach Vorlage dieser Neuregelungen
insgesamt zu prüfen sein, ob Erfordernisse
für eine Novellierung der Verordnung...vorliegen"
Laut
BMVBW liegt das Erfordernis vor, wenn: "umfangreiche
Anhörungen und Abstimmungen aller Beteiligten
zu dem Schluß kommen, daß weitere
Befahrensbeschränkungen zum Erreichen der
gesetzten Schutzziele erforderlich sind."
Offensichtlich
wird das Bundesverkehrsministerium nur dann aktiv
werden, wenn die Länder dies aktiv einfordern.
Zur Zeit geht man bei der Bundesbehörde eher
davon aus, "daß Schleswig-Holstein
bestrebt ist, erforderliche Maßnahmen auf
der Basis freiwilliger Vereinbarungen mit
Sportbootverbänden und regionalen Seeverkehrsbetrieben
zu erreichen.". Schutzstation Wattenmeer
fordert hingegen eine zügige, eindeutige
und einheitliche Befahrensregelung für alle
Nationalparke Wattenmeer, die neben lokal sinnvollen,
freiwilligen Vereinbarungen überwiegend
rechtsverbindlich ist. Solange in jeder Wattenregion
nur ein eigenes Süppchen freiwilliger
Vereinbarungen gekocht wird, bleibt der Naturschutz
in den Neuzuschnitten der Nationalparkzonen unvollständiges
Stückwerk ohne klare Außenwirkung.
Derzeit existieren beispielsweise sogar unterschiedliche
Kartenwerke (Seekarten, Nationalparkbroschüren,
Faltblätter) innerhalb einzelner Nationalparke,
anhand derer die Öffentlichkeit teils unvollständig
oder sogar widersprüchlich über die
Grenzen, Zonierungen und Regelungen informiert
wird. Ein seitens der Naturschutzverbände
zum Schutz der Hochseevögel und Kleinwale
gefordertes Tempolimit in den seeseitigen Nationalparkgebieten
Schleswig Holsteins fehlt völlig.
Die
nutzungsfreie Zone des Nationalparkes wird in
die amtlichen Seekarten offenbar deshalb nicht
eingezeichnet, weil Seekarten nur das Befahren,
nicht aber das Befischen regeln. Wie schon in
Wattreport 3/2001 dargestellt, ergibt sich ein
unübersichtliches und schwer verständliches
Bild des "neuen" Nationalparkes.
"So
kann man keine überzeugende Werbung für
den "neuen" Nationalpark machen",
meint Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer.
Aber daran scheint das Land auch selbst wenig
Interesse zu haben: "Nun verstreicht schon
die zweite Sommersaison tatenlos, in der auf den
stark frequentierten Inseln Sylt und Amrum dem
bundesweiten "Publikum" mittels
anschaulicher Infotafeln o.ä. das "Walschutzgebiet"
und damit die
Naturschutzleistungen des Landes in Sachen Meeresschutz
präsentieren werden könnten", so
Koch.
Watt-ID:
24
Fraunhofer-und Ökoinstitut präsentieren
Forschungsergebnisse zum Klimaschutz
Wer macht noch Wind für Energiesparen? Die
aktuelle Offshore-Windkraft-Diskussion, weckt
immer mehr den Eindruck, daß nur diese Form
der alternativen Energiegewinnung die Küste
vor der sicheren CO2-Katastrophe retten kann.
So sollen offenbar Bedenkenträger
aus dem Naturschutz, die selbst jahrelang für
Alternativenergien gestritten haben, nun als Umweltschutzbremser
hingestellt werden.
Tatsache
ist jedoch, daß die gesteckten Ziele im
Klimaschutz nur über das gleichzeitige Verfolgen
vieler Wege erreicht werden kann. Der wichtigste
und gleichzeitig unpopulärste Weg ist und
bleibt das Energiesparen: Die Beiträge, die
jeder zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz
zur Entlastung der Umwelt leisten kann, sind alles
andere als "Peanuts".
Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts
für Systemtechnik und Innovationsforschung
ISI, Karlsruhe, des Öko-Instituts, Darmstadt,
und der Technischen Universität München
im Auftrag des Umweltbundesamts. Die Institute
untersuchten die Sektoren Gewerbe, Handel, Dienstleistung
und Haushalte auf Möglichkeiten zur Verminderung
der Kohlendioxid-Emission durch
energiesparendes Verhalten. Die Ergebnisse unterstreichen
die kürzlich
vom Fraunhofer ISI geäußerte Behauptung,Deutschland
könne auf die Nutzung der
Kernkraft verzichten.
Um
insgesamt 23 Millionen Tonnen ließen sich
in Deutschland die CO2-Emissionen allein in Gewerbe,
Handel und Dienstleistung senken; das sind etwa
16 Prozent des Gesamtausstoßes in diesem
Bereich. Bereits heute läßt sich der
Stromverbrauch um ca. 14 Milliarden Kilowattstunden
pro Jahr durch Abschalten von Stand-by, Anpassen
der Betriebszeiten von Geräten an die
tatsächliche Nutzung oder manuelles Zu- und
Abschalten der Beleuchtung reduzieren. Dies entspricht
ungefähr dem Jahresstromverbrauch der Stadt
Berlin. Hinzu kommen Einsparpotenziale bei der
Raumwärme von 50 Milliarden Kilowattstunden
pro Jahr und beim Warmwasser von jährlich
10 Milliarden Kilowattstunden.
Einen
noch höheren Stellenwert räumen die
Forscher den Verhaltensmaßnahmen in Haushalten
ein. Das Reduktionspotenzial liegt hier bei ca.
61 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das ist ein
Drittel der gesamten CO2-Emissionen der deutschen
Haushalte. Besonders effizient sind Maßnahmen,
die den Energieverbrauch für Raumwärme
reduzieren. Sie machen 87 Prozent des
Einsparpotenzials aus. Wer also aufpaßt,
daß die Heizkörper nicht mit Möbeln
zugestellt sind, die Fenster nicht bei voll aufgedrehter
Heizung aufreißt und auf angemessene Raumtemperaturen
achtet, leistet einen beachtlichen Beitrag zum
Klimaschutz. Ein durchschnittlicher Haushalt spart
dadurch zugleich bis zu 600 DM jährlich.
Würden alle empfohlenen Verhaltensmaßnahmen
durchgeführt, wäre zusammen mit der
Entwicklung immer sparsamerer Geräte das
von der Bundesregierung für das Jahr 2005
gesteckte Ziel erreicht, nämlich eine um
25 Prozent verminderte Kohlendioxidemission gegenüber
1990. "Ein schöner Gedanke, aber leider
weit weg von der Realität", sagt Edelgard
Gruber, Projektleiterin am Fraunhofer ISI.
Haushaltsbefragungen
und die Untersuchung bereits durchgeführter
Programme zur Förderung des klimagerechten
Verhaltens zeigen, daß nur wenige Prozente
des Potenzials tatsächlich erschlossen werden
können. Gewohnheiten, Unkenntnis und fehlende
Motivation stehen der vollständigen Ausschöpfung
der Möglichkeiten entgegen.
Für
2005 kann daher nur mit einer Reduktion von 8
Millionen Tonnen Kohlendioxid gerechnet werden,
für 2020 mit 19 Millionen Tonnen. Entscheidend
ist jedoch, daß die Zielgruppen spezifisch
angesprochen und jeweils Anreize geschaffen werden.
"Mit dem erhobenen Zeigerfinger
kommt man in der heutigen Zeit nicht weit",
so Gruber.
Watt-ID: 22
Ersetzt Freiwilligenjahr bald Wehr- und Zivildienst?
Die bereits erfolgte Verkürzung des Zivildienstes
und die Absicht der Regierung, Wehrpflicht und Zivildienst
eventuell ganz abzuschaffen, löste im vergangenen
Jahr breite Diskussionen um die Einrichtung sozialer
und umweltschutzorientierter Freiwilligendienste
aus. Bei Gesprächen in
Berlin sitzt für die Schutzstation Wattenmeer
und andere Umweltverbände unser
Mitarbeiter Diplombiologe Rainer Borcherding mit
am Tisch. Hier sein Zwischenbericht:
Die
auf Bundesebene laufende Debatte um Freiwilligendienste
entwickelt sich zügig weiter. Dies ist ein
Ergebnis der am 9.4. von der Fraktion "Bündnis90/Die
Grünen" durchgeführten Expertenanhörung.
Nach
den Plänen des Familienministeriums soll
der Bundestag im Herbst 2001 eine Novellierung
der Gesetze über das Freiwillige Soziale
bzw. Ökologische Jahr (FSJG / FÖJG)
verabschieden. Darin sollen die sozialrechtlichen
Aspekte der jugendbildenden Freiwilligendienste
vereinheitlicht werden.
Außerdem soll künftig die Leistung
eines Freiwilligenjahres junge Männer von
der Ableistung der Wehrpflicht befreien.
Die
Schaffung neuer "Vollzeit"-Freiwilligendienste
für Menschen aller Altersgruppen, unter anderem
voraussichtlich auch eines Freiwilligen Umweltjahres,
wird dagegen auf die nächste Legislaturperiode
vertagt. Dies ist einerseits verständlich,
da in einem Freiwilligengesetz komplizierte Fragen
zu klären sind: Sozialversicherung, Abgrenzung
verschiedener Formen von Ehrenamtlichkeit und
Arbeitsmarktneutralität. Andererseits steht
zu befürchten, daß sich nach Ablauf
des "Jahres der Freiwilligen 2001" die
weitere Gesetzgebung im Sande verläuft. Damit
würde die Chance verschenkt, dem ehrenamtlichen
Engagement im Umwelt-, Sozial- und
Kulturbereich neue Impulse zu geben.
Auch
ist noch keineswegs klar, wie der voraussichtliche
Wegfall der Zivildienstleistenden aufzufangen
wäre, wenn die Freiwilligendienste nicht
wesentlich attraktiver gestaltet werden, als sie
es derzeit sind. An dieser Thematik arbeitet mit
Hochdruck das Bundesfamilienministerium.
Das
Umweltministerium hat nur einen begrenzten Handlungsspielraum,
da es für Freiwilligendienste formal nicht
zuständig ist.
Die Umweltverbände begleiten mit einer Arbeitsgruppe
den Prozeß und führen mit Politikern
und Verwaltung Gespräche.
Die
Verwaltungsstellen des Freiwilligen Ökologischen
Jahres, über 50 im Bundesgebiet, wollen am
31.5. einen Dachverband bilden. Es ist zu wünschen,
daß danach ein inhaltlicher Schulterschluss
mit den Umweltverbänden erfolgt.
Derzeit gibt es noch Meinungsdifferenzen über
die Frage, wie gewichtig der Umweltschutzaspekt
im Vergleich zur Jugendbildung innerhalb des FÖJ
ist. Die Bundesländer haben in ihrer letzten
LANA-Sitzung die Bildung einer Arbeitsgruppe zum
Themenfeld Arbeitskräfte im Umweltbereich
leider zunächst abgelehnt.
Umweltverbände
oder Personen, die sich in den laufenden Diskussionsprozeß
einbringen oder auf Landesebene bei Veranstaltungen
zum "Internationalen Jahr der Freiwilligen"
Umweltschutzpositionen in die Diskussion einbringen
möchten, können sich bei Rainer Borcherding
informieren:
Tel. 04841/87919, rb@schutzstation-wattenmeer.de
Watt-ID:
17
Verdiente Würdigung für Dr. Peter Prokosch
Goldene Feder für Naturschutzforschungsprojekt
Dr.
Peter Prokosch wurde von der Staatssekretärin
des Kieler Umweltministeriums, Frau Henriette
Berg, im Namen des Landes die "Goldene Ringelgansfeder"
verliehen.
Dies
geschah kürzlich im Rahmen der vom NationalparkService,
dem WWF, den Halligen und der Schutzstation Wattenmeer
auf Hallig Hooge veranstalteten IV. Ringelganstage.
Mit
dieser Auszeichnung, so Staatssekretärin
Berg, will der Naturschutz in Schleswig-Holstein
die herausragenden Verdienste Dr. Prokoschs für
die Ringelgansforschung würdigen. Die vergoldete
Feder stammte denkwürdigerweise
vom Totfund einer Ringelgans, die Peter Prokosch
selbst vor 18 Jahren auf Eiderstedt mit seiner
Forschungsgruppe beringt hatte.
Durch seinen unermüdlichen Einsatz, so die
übereinstimmende Meinung aller anwesenden
Behörden- und Naturschutzvertreter, habe
Dr. Prokosch persönlich ganz wesentlich dazu
beigetragen, aus der verfemten Ringelgansfrage
eine
Erfolgsstory für den Naturschutz werden zu
lassen.
Noch
vor einem Jahrzehnt hätte Dr.Prokosch, der
heute in Oslo den Arktisschutz des WWF leitet,
einen solchen Gesinnungswandel als "absurde
Utopie" bezeichnet, denn zu damaliger Zeit
beklagten sich vor allem die Landwirte in vielen
Presseberichten über die "Landplage
und Heimsuchung der Ringelgansschwärme".
Die Bauern sahen sich durch die grasenden Gänse
in
ihrer Existenz bedroht und beklagten sich über
zu geringe Entschädigungszahlungen für
den Gänsefraß seitens des Landes Schleswig-Holstein.
"Heute", so führte Landrat Olaf
Bastian in seinem Grußwort aus, "gibt
es auf Hooge nur Nutznießer des Vogelzuges:
die Einwohner, die Touristen und die Natur".
Als Dr.Prokosch 1973/1974 seinen Zivildienst bei
der Schutzstation Wattenmeer in der Halligwelt
leistete, steckte das internationale Ringelgansprogramm
noch in den allerersten Anfängen. Sein persönlicher
Kontakt zum Biologen Andrew St.Joseph, der in
England im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeiten
mit der Farbring-Kennzeichnung von
Ringelgänsen begonnen hatte, weckten bei
Peter Prokosch das eigene Interesse und ein
besonderes Engagement für diese Vogelart.
Schon
nach kurzer Zeit wurde Peter Prokosch Koordinator
der Ringelgansprojekte im deutschen Wattgebiet.
Dabei arbeitete er in enger , internationaler
Zusammenarbeit mit Andrew St.Joseph und niederländischen
Kollegen und mit wissenschaftlicher Unterstützung
des Internationalen Büros
für Wasservogelforschung IWRB -Slimbridge/England.
Ziel
war es:
- die außergewöhnlich dynamische Populationsentwicklung
der Ringelgans zu verfolgen und bestandsbeeinflussende
Maßnahmen zu erkennen.
-
die ökologischen Funktionen der einzelnen
von der Art aufgesuchten Teilgebiete innerhalb
ihres Jahres/Lebensraumsystems zu ermitteln.
-
die gewonnenen Erfahrungen in praktische Naturschutzkonzeptionen
umzusetzen.
Es
war schon ein Unterfangen besonderer Art, sich
damals für den Schutz dieser Gänseart
einzusetzen. Erst der international erwirkte Jagdschutz
ermöglichte eine langsame
Erholung des Ringelgans-Weltbestandes, der in
den 50er Jahren seinen Tiefstand erreicht hatte.
Begünstigt wurde diese Entwicklung noch durch
Bruterfolge in den arktischen Brutgebieten.
In
den europäischen Überwinterungsgebieten
und dem Wattenmeer wurden hingegen die lokal konzentriert
auftretenden Gänseschwärme als "der
Einfall der schwarzen Pest" bezeichnet. Bei
der oft sehr emotional geführten Eindeichungsdiskussion
in den 80 er Jahren gipfelten die Anwürfe
gegenüber den Schutzanliegen in der polemischen
Behauptung: "Naturschützern
ginge es darum, Gänse- statt Menschenschutz
betreiben zu wollen."
Gegen
die Unhaltbarkeit und Unsinnigkeit derartiger
Behauptungen ist schon damals viel gesagt worden;
doch erst nach und nach (z.B. durch die Errichtung
des Nationalparks S-H Wattenmeer) kam es zu einer
Versachlichung
der Diskussion in der Ringelgansfrage.
Durch
die Vergabe einer auf das Ringelgansthema ausgerichteten
Diplomarbeit an Peter Prokosch (Uni Kiel, Prof.
Wolfhart Schulz) erfuhr dessen langjähriges
Engagement erneut eine Ausweitung und Steigerung.
Für die Durchführung der von ihm initiierten
Gänse-Synchronzählung gelang es Peter
Prokosch einen küstenweit tätigen Mitarbeiterkreis
im deutschen Wattgebiet aufzubauen, an dem u.a.
auch die Schutzstation Wattenmeer mit dem
Netzwerk ihrer Mitarbeiter teilnahm. Auch heute
wird dieses wichtige Monitoring
von uns im Rahmen gemeinsamer Projekte weitergeführt..
Zur
Organisation und nachfolgenden Information über
die Zählungsergebnisse und den Stand der
Forschung gab Peter Prokosch einen regelmäßig
erscheinenden "Ringelgans-Rundbrief"
heraus. Durch die Beobachtungen der vielen Mitarbeiter
und die Koordinierung und Auswertung des Daten-
und Zahlenmaterials wurde es möglich, innerhalb
nur weniger Jahre genaue
Kenntnis über: Zugverhalten, Ortstreue, Verweildauer,
soziales Verhalten, Freßgewohnheiten und
Gewichtszunahme der Gänse zu erlangen. Ganz
wesentlich wurden diese Ermittlungen durch die
Beobachtung der vielen unter Einsatz von Kanonennetzen
gefangenen und mit Farbringen gekennzeichneten
Ringelgänse
ermöglicht.
Wenn
heutzutage die Möglichkeiten zu naher, unmittelbarer
Ringelgansbeobachtung auf dem besten Weg sind
zu einer außergewöhnlichen Touristenattraktion
zu werden, so mag Dr. Prokosch darin für
sich nach langen Jahren der Verunglimpfung auch
den Erfolg seines unbeirrbaren Einsatzes für
diese Vogelart erkennen.
Watt-ID:
16
Manjana-Haltung im Behördendschungel geschoben?
Eine
Anpassung der im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches
Wattenmeer gültigen Befahrensregelung auf
die seit der Gesetzesnovellierung im Dezember
1999 ausgewiesenen Zonen des Schutzgebietes ist
erst zu erwarten, wenn alle drei Wattenmeerländer
ihre Gesetzesnovellierungen abgeschlossen haben
und die Notwendigkeit einer neuen Befahrensregelung
deutlich machen. Dies geht aus einem Schreiben
des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage
der Schutzstation Wattenmeer zurück (s. Wattreport
4/01).
Die
Parlamentarische Staatssekretärin Frau MdB
Angelika Mertens schreibt: "Da gegenwärtig
auch andere Küstenländer (Hamburg, Niedersachsen)
an der Novellierung ihrer Nationalparkgesetzgebung
arbeiten, wird vom BMVBW nach Vorlage dieser Neuregelungen
insgesamt zu prüfen sein, ob Erfordernisse
für eine Novellierung der Verordnung...vorliegen"
Laut
BMVBW liegt das Erfordernis vor, wenn: "umfangreiche
Anhörungen und Abstimmungen aller Beteiligten
zu dem Schluß kommen, daß weitere
Befahrensbeschränkungen zum Erreichen der
gesetzten Schutzziele erforderlich sind."
Offensichtlich
wird das Bundesverkehrsministerium nur dann aktiv
werden, wenn die Länder dies aktiv einfordern.
Zur Zeit geht man bei der Bundesbehörde eher
davon aus, "daß Schleswig-Holstein
bestrebt ist, erforderliche Maßnahmen auf
der Basis freiwilliger Vereinbarungen mit
Sportbootverbänden und regionalen Seeverkehrsbetrieben
zu erreichen.". Schutzstation Wattenmeer
fordert hingegen eine zügige, eindeutige
und einheitliche Befahrensregelung für alle
Nationalparke Wattenmeer, die neben lokal sinnvollen,
freiwilligen Vereinbarungen überwiegend
rechtsverbindlich ist. Solange in jeder Wattenregion
nur ein eigenes Süppchen freiwilliger
Vereinbarungen gekocht wird, bleibt der Naturschutz
in den Neuzuschnitten der Nationalparkzonen unvollständiges
Stückwerk ohne klare Außenwirkung.
Derzeit existieren beispielsweise sogar unterschiedliche
Kartenwerke (Seekarten, Nationalparkbroschüren,
Faltblätter) innerhalb einzelner Nationalparke,
anhand derer die Öffentlichkeit teils unvollständig
oder sogar widersprüchlich über die
Grenzen, Zonierungen und Regelungen informiert
wird. Ein seitens der Naturschutzverbände
zum Schutz der Hochseevögel und Kleinwale
gefordertes Tempolimit in den seeseitigen Nationalparkgebieten
Schleswig Holsteins fehlt völlig.
Die
nutzungsfreie Zone des Nationalparkes wird in
die amtlichen Seekarten offenbar deshalb nicht
eingezeichnet, weil Seekarten nur das Befahren,
nicht aber das Befischen regeln. Wie schon in
Wattreport 3/2001 dargestellt, ergibt sich ein
unübersichtliches und schwer verständliches
Bild des "neuen" Nationalparkes.
"So
kann man keine überzeugende Werbung für
den "neuen" Nationalpark machen",
meint Lothar Koch von der Schutzstation Wattenmeer.
Aber daran scheint das Land auch selbst wenig
Interesse zu haben: "Nun verstreicht schon
die zweite Sommersaison tatenlos, in der auf den
stark frequentierten Inseln Sylt und Amrum dem
bundesweiten "Publikum" mittels
anschaulicher Infotafeln o.ä. das "Walschutzgebiet"
und damit die
Naturschutzleistungen des Landes in Sachen Meeresschutz
präsentieren werden könnten", so
Koch.
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