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Sozialzentrum Husum: Hilfe bei Sprachbarrieren

Autor: CIS am 02.02.2017

Sprache

Fremd, taub, stumm“. Es sind nur drei Worte, die Evlin Mirza braucht, um ihre Gefühlswelt zu beschreiben. Damals vor 24 Jahren, als sie erstmals deutschen Boden betrat.

Foto: Stadt Husum / BU: (v. li.) Renas Midur Khano, Katja Kniese, Hilke Holthuis, Evlin Mirza, Mohammed al Agbary Nedal al Zoubi und Sina Khodeida Pessi.

Ein fremdes Land mit seinen Menschen, der Sprache und Kultur stand der Familie Mirza seinerzeit gegenüber und ließ sie taub werden und verstummen. Sie waren aus Syrien geflohen, einem Land, wo sie mit Beginn der Kriegswirren ihres Heimatlandes Irak Schutz suchten. Zehn Jahre lebten sie in Syrien, bevor sie nach Deutschland aufbrachen, um endlich Frieden zu finden.

Evlin Mirza ist inzwischen 40 Jahre alt, spricht sehr gut Deutsch und ist voll integriert. Es war ein langer Weg, sagt sie. „Niemand fragte, ob ich zur Schule gehen wollte oder erzählte mir, wo ich die Sprache lernen könnte.“

Ihr Leben nahm sie letztlich selbst in die Hand, weil sie es musste, um in ihrer neuen Heimat bestehen zu können. Bei der Volkshochschule holte sie sich Informationen über einen Sprachkurs. Zur Schule konnte sie nicht gehen, weil es ihr an Sprache und Wissen fehlte und dennoch gelang es ihr, über Umwege die Berufsschule zu besuchen.

Sie lernte den Beruf der Lebensmittel-Fachverkäuferin und ist mittlerweile technische Angestellte in einem Unternehmen für ökologische Forschung und Beratung.

Sie hat ihren Weg aus viel eigener Kraft und Beharrlichkeit geschafft und dennoch blickt sie immer wieder in die Vergangenheit zurück.

Dann, wenn sie Flüchtlingen hilft, sich in einem neuen Land zurechtzufinden. „Ich weiß genau, wie sie sich fühlen und deshalb helfe ich gerne“, erzählt die Husumerin. Ihr ist es egal, wen sie vor sich hat. „Der Mensch steht im Vordergrund und nicht die Religion oder Herkunft.“

Evlin Mirza unterstützt gemeinsam mit Sina Khodeida Pessi und Dalal el Sarri das Asylteam des Sozialzentrums Husum und Umgebung. Sie sind Sprachmittlerinnen und Sprachmittler und damit zunehmend auch im Bereich des Jobcenters tätig. An zwei Vormittagen in der Woche stehen sie dem Sozialzentrum zur Verfügung und sind außerdem für den Kinderschutzbund und der Fachstelle Migration des Diakonischen Werkes tätig.

Renas Midur Khano, der seinen Bundesfreiwilligendienst im Ordnungsamt der Stadt Husum absolviert, leistet ebenfalls wertvolle Arbeit als Sprachmittler.Seite 2 von 2 Aufgrund der umfangreichen Anträge, die vor dem Bezug des Arbeitslosengeldes gestellt werden müssen, stehen neuerdings Mohammed al Agbary und Nedal al Zoubi jeweils dienstags und donnerstags unterstützend zur Seite. Sie sind extra geschult, um den anerkannten Flüchtlingen bei der Antragsstellung zu helfen.

Durch die derzeit zügige Bearbeitung der Asylanträge vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wechseln die anerkannten Flüchtlinge in den Bereich des Jobcenters. Darauf hat die Leitung des Husumer Sozialzentrums reagiert und mit Hilke Holthuis und Katja Kniese für den Bereich des Fallmanagements ein extra Team gebildet. Sie kennen sich in diesem Bereich sehr gut aus: Katja Kniese war Mitarbeiterin im Asylteam und Hilke Holthuis im vergangenen Jahr für das Projekt „Arbeit für Flüchtlinge“ tätig.

Die beiden Mitarbeiterinnen bilden seit dem 1. Januar diesen Jahres das Team, dass die Weichen für die langfristige Integration in den Arbeitsmarkt stellen wird. „Vor der Arbeitsaufnahme müssen die Migrantinnen und Migranten noch jede Menge Hindernisse überwinden. An erster Stelle ist hier nach wie vor die Teilnahme an Sprachkursen zu nennen“, erzählt Hilke Holthuis. Zudem steht die Orientierung in einem umfangreichen, zumeist unbekannten Angebot an beruflichen Möglichkeiten, das Kennenlernen des Arbeitsmarktes, der Erwerb beruflicher Qualifikation und einiges mehr auf dem Programm. Hilke Holthuis kann bei der Arbeit auf ihre Erfahrungen und Kontakte aus dem vergangenen Jahr zurückgreifen.

Ihre Ansicht nach haben sich sehr gute Netzwerke in Nordfriesland gebildet, angefangen von der Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt, den Kontakten zu den Willkommens-Lotsinnen und –Lotsen, der IHK und der Handwerkskammer. „Diese Kontakte können auf dem Weg zur Integration nutzbringend eingesetzt werden“, meint sie. Es ist sicherlich noch ein langer Weg, bis die anerkannte Flüchtlinge vollends integriert sind. Möglich ist aber alles – ein gutes Beispiel dafür ist Evlin Mirza. Sie hätte sich die Hilfe für Flüchtlinge, so wie sie inzwischen stattfindet, damals nur zu gerne gewünscht.


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