Wie war das noch mit der Taufe? Info

August Newsletter des Nordfriisk Instituuts


1. jest kop ~ iarst kop ~ iaars kop ~ iirst kop ~ jarst kop ~ eerst kop

Eselswörter
Der Ausdruck „Eselswörter“ rührt vom Wechsel zwischen den Lauten ‚i’ und ‚a’ her. Aber nicht nur die Esel schätzen diese
Lautfolge, auch Menschen verwenden sie gern und häufig. So z.B. in dt. Mischmasch, zickzack, pickepackevoll, Krimskrams
usw. usw. Es ist auffällig, dass Eselswörter in vielen Sprachen existieren.

Auch im Friesischen gibt es eine ganze Reihe solcher Eselswörter. Beispiele:

fe.-öö. u. sölr. pitjepatje, moor. pijtepåtj, wirh. pjitepjat für ‚Unsinn, Quatsch’, Faselei.

Die gleiche Bedeutung haben fe.-öö. tjireltjarel, tjiptjap, kisjkekasjke; moor. tjiptjåp; wirh. tjibtjab, wisewase; sölr. tjiptjaperii.
Häufig haftet diesen Wörtern etwas Abfälliges an – wie in den obigen Beispielen –, dies aber durchaus nicht immer.
Das Ticktack der Uhr etwa oder fe.-öö. schiiweschaawe (ein Kind in den Armen wiegen) und fe.-öö. wigwaage/wiigewaage
(schaukeln, wippen) sind neutral.

Auch in Wortkombinationen taucht der i-a-Wechsel öfter auf:

fe.-öö. bimle an bamle, wörtl. bimmeln und baumeln

fe.-öö. flidre an fladre, flattern

Solche Eselswörter sind bei Kindern und in der Sprache gegenüber Kindern sehr beliebt und werden auch mal ganz spontan
gebildet.
In den Wörterbüchern tauchen Eselswörter nur zum Teil auf, oftmals werden bzw. wurden sie als ‚Pitjepatje’ abgetan und nicht
mit aufgenommen.

Wir im Nordfriisk Instituut würden uns freuen, wenn Sie/Ihr uns möglichst viele solcher Wörter zuschicken würdet.

2. taust kop ~ naist kop ~ tweet kop ~ uur kop ~ tweerd kop ~ tweed kop

Die Maus im Wochenbett

Das deutsche Tätigkeitswort „taufen“ hat im Nordfriesischen mehrere Entsprechungen. In fast allen Dialekten gibt es die Formen
kräsne/krasne oder dööpe. Das Hauptwort dazu ist kräsnen/krasnen/krasnin oder dööp. Auf Helgoland spricht man von
Letjkressnen, weil es sich um die Taufe kleiner Kinder handelt.

Das Wort dööp kommt aus dem Niederdeutschen und entspricht dem hochdeutschen „Taufe“, das wiederum mit dem Verbum
„(ein)tauchen“ verwandt ist. Das Wort krasnen dagegen kommt aus dem Dänischen und heißt wörtlich „christlich machen“. Nur
die Sylter haben neben Dööp noch das Wort Goom, das es auch im Angelsächsischen gab und „Gastmahl“ bezeichnet.

Ausschließlich auf dem Festland aber gibt es noch ein viertes Wort für „Taufe“, das rein friesisch ist und ursprünglich nichts mit
dem christlichen Glauben zu tun hatte, nämlich solm(e) oder sulme. Die eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist nicht ganz
geklärt, hat aber eher etwas mit der Geburt als mit der Taufe zu tun. Das zeigt auch das alte Verbum solme, das im „Freesk
Uurdebuk“ der Wiedingharde übersetzt wird mit „der Niederkunft entgegensehen“. „Jü solmet“ heißt also auch: „Sie ist
schwanger“. Besonders deutlich ist die alte Bedeutung noch zu erkennnen in den zusammengesetzten Hauptwörtern solmbeerd
„Wochenbett“ und solmwüf „Wöchnerin“.

Übrigens konnte es sehr hoch hergehen nach der Geburt eines Kindes, während die Wöchnerin noch im Wochenbett lag und
Besuch hatte von anderen Frauen zur so genannten moor. wüfesoomling, fer.-öömr. kinjelbiir oder wirh. baselfisiit. Otto Mensing
schreibt in seinem „Schleswig-Holsteinischen Wörterbuch“, dass das Kindelbier ausarten konnte zu „Saufgesellschaften von
Ehefrauen aus der ganzen Nachbarschaft“, und „nach ausgiebigem Schnapsgenuß in der Wochenstube zog man in andere
Häuser, namentl. von solchen Frauen, die noch nicht geboren hatten, und setzte dort die Lustbarkeit in verstärktem Maße fort.“
Bevor solche Saufgelage verboten wurden, haben die Frauen sie aber scheinbar richtig genossen. Kein Wunder, denn
normalerweise mussten sie schwer arbeiten, genau wie die Frau, die nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht und von der man
sagt: „Jü hjit et sü traabel as en müs oont solmbeerd.“ (Sie hat so viel zu tun wie eine Maus im Wochenbett.)

3. trer kop ~ traad kop ~ treed kop ~ der kop ~ treerd kop

Friesentag in der Wiedingharde

Hoffentlich ist es schönes Wetter, wenn das Infozentrum Wiedingharde in Klanxbüll am Sonntag, den 8. August 2004, seinen
jährlichen Friesentag abhält. Dann wird es noch schöner für das rege Treiben mit alter friesischer Handwerkskunst, Volkstänzen,
Seemansliedern und Kutschfahrten. Auch für Kinder gibt es jede Menge Spaß und Spiel.

An diesem Tag, der von 11.00 bis 17.00 Uhr in und ums Infozentrum stattfindet, wird auch das Nordfriisk Instituut dabei sein,
u.a. mit der Vorstellung des neuen westfriesischen Videofilms für Kinder auf Wiedingharder Friesisch. Die zehn Folgen handeln
von den Abenteuern des tollpatschigen, aber liebenswerten Bären Boor Buulu und seinen Kameraden Matilde, Poi und vielen
anderen. Gleich im Anschluss wird Dr. Claas Riecken vom friesischen Radioverein ffnr seinen Film über nordfriesische Sagen
aus der „märchenhaften“ Wiedingharde zeigen. Die Filmvorstellungen beginnen um 15.00 Uhr.

Abkürzungen:

sölr. = Sölring (Sylterfriesisch)

fe.-öö. = Fering-Öömrang (Föhr-Amrumer Friesisch)

hal. = Halunder (Helgoländer Friesisch)

wirh. = Wiringhiirder freesk (Wiedingharder Friesisch)

moor. = Mooringer frasch (Mooringer Friesisch)

ngoosh. = Noordergooshiirder fräisch (Nordergoesharder Friesisch)

halifr. = Halifreesk (Halligfriesisch)

Redaktion dieser Ausgabe: Adeline Petersen, Christina Tadsen





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Diese Seite wurde am: 31.07.2004 11:23 aktualisiert.
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