1. jest kop ~ iarst kop ~ iaars kop ~ iirst kop ~ jarst kop ~ eerst kop
Eselswörter
Der Ausdruck „Eselswörter“ rührt vom Wechsel
zwischen den Lauten ‚i’ und ‚a’ her. Aber nicht nur
die Esel schätzen diese
Lautfolge, auch Menschen verwenden sie gern und häufig. So z.B. in dt.
Mischmasch, zickzack, pickepackevoll, Krimskrams
usw. usw. Es ist auffällig, dass Eselswörter in vielen Sprachen existieren.
Auch im Friesischen gibt es eine ganze Reihe solcher Eselswörter. Beispiele:
fe.-öö. u. sölr. pitjepatje, moor. pijtepåtj, wirh. pjitepjat
für ‚Unsinn, Quatsch’, Faselei.
Die gleiche Bedeutung haben fe.-öö. tjireltjarel, tjiptjap, kisjkekasjke;
moor. tjiptjåp; wirh. tjibtjab, wisewase; sölr. tjiptjaperii.
Häufig haftet diesen Wörtern etwas Abfälliges an – wie
in den obigen Beispielen –, dies aber durchaus nicht immer.
Das Ticktack der Uhr etwa oder fe.-öö. schiiweschaawe (ein Kind in
den Armen wiegen) und fe.-öö. wigwaage/wiigewaage
(schaukeln, wippen) sind neutral.
Auch in Wortkombinationen taucht der i-a-Wechsel öfter auf:
fe.-öö. bimle an bamle, wörtl. bimmeln und baumeln
fe.-öö. flidre an fladre, flattern
Solche Eselswörter sind bei Kindern und in der Sprache gegenüber
Kindern sehr beliebt und werden auch mal ganz spontan
gebildet.
In den Wörterbüchern tauchen Eselswörter nur zum Teil auf, oftmals
werden bzw. wurden sie als ‚Pitjepatje’ abgetan und nicht
mit aufgenommen.
Wir im Nordfriisk Instituut würden uns freuen, wenn Sie/Ihr uns möglichst
viele solcher Wörter zuschicken würdet.
2. taust kop ~ naist kop ~ tweet kop ~ uur kop ~ tweerd kop ~ tweed
kop
Die Maus im Wochenbett
Das deutsche Tätigkeitswort „taufen“ hat im Nordfriesischen
mehrere Entsprechungen. In fast allen Dialekten gibt es die Formen
kräsne/krasne oder dööpe. Das Hauptwort dazu ist kräsnen/krasnen/krasnin
oder dööp. Auf Helgoland spricht man von
Letjkressnen, weil es sich um die Taufe kleiner Kinder handelt.
Das Wort dööp kommt aus dem Niederdeutschen und entspricht dem hochdeutschen
„Taufe“, das wiederum mit dem Verbum
„(ein)tauchen“ verwandt ist. Das Wort krasnen dagegen kommt aus
dem Dänischen und heißt wörtlich „christlich machen“.
Nur
die Sylter haben neben Dööp noch das Wort Goom, das es auch im Angelsächsischen
gab und „Gastmahl“ bezeichnet.
Ausschließlich auf dem Festland aber gibt es noch ein viertes Wort für
„Taufe“, das rein friesisch ist und ursprünglich nichts mit
dem christlichen Glauben zu tun hatte, nämlich solm(e) oder sulme. Die
eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist nicht ganz
geklärt, hat aber eher etwas mit der Geburt als mit der Taufe zu tun. Das
zeigt auch das alte Verbum solme, das im „Freesk
Uurdebuk“ der Wiedingharde übersetzt wird mit „der Niederkunft
entgegensehen“. „Jü solmet“ heißt also auch: „Sie
ist
schwanger“. Besonders deutlich ist die alte Bedeutung noch zu erkennnen
in den zusammengesetzten Hauptwörtern solmbeerd
„Wochenbett“ und solmwüf „Wöchnerin“.
Übrigens konnte es sehr hoch hergehen nach der Geburt eines Kindes, während
die Wöchnerin noch im Wochenbett lag und
Besuch hatte von anderen Frauen zur so genannten moor. wüfesoomling, fer.-öömr.
kinjelbiir oder wirh. baselfisiit. Otto Mensing
schreibt in seinem „Schleswig-Holsteinischen Wörterbuch“, dass
das Kindelbier ausarten konnte zu „Saufgesellschaften von
Ehefrauen aus der ganzen Nachbarschaft“, und „nach ausgiebigem Schnapsgenuß
in der Wochenstube zog man in andere
Häuser, namentl. von solchen Frauen, die noch nicht geboren hatten, und
setzte dort die Lustbarkeit in verstärktem Maße fort.“
Bevor solche Saufgelage verboten wurden, haben die Frauen sie aber scheinbar
richtig genossen. Kein Wunder, denn
normalerweise mussten sie schwer arbeiten, genau wie die Frau, die nicht mehr
weiß, wo ihr der Kopf steht und von der man
sagt: „Jü hjit et sü traabel as en müs oont solmbeerd.“
(Sie hat so viel zu tun wie eine Maus im Wochenbett.)
3. trer kop ~ traad kop ~ treed kop ~ der kop ~ treerd kop
Friesentag in der Wiedingharde
Hoffentlich ist es schönes Wetter, wenn das Infozentrum Wiedingharde in
Klanxbüll am Sonntag, den 8. August 2004, seinen
jährlichen Friesentag abhält. Dann wird es noch schöner für
das rege Treiben mit alter friesischer Handwerkskunst, Volkstänzen,
Seemansliedern und Kutschfahrten. Auch für Kinder gibt es jede Menge Spaß
und Spiel.
An diesem Tag, der von 11.00 bis 17.00 Uhr in und ums Infozentrum stattfindet,
wird auch das Nordfriisk Instituut dabei sein,
u.a. mit der Vorstellung des neuen westfriesischen Videofilms für Kinder
auf Wiedingharder Friesisch. Die zehn Folgen handeln
von den Abenteuern des tollpatschigen, aber liebenswerten Bären Boor Buulu
und seinen Kameraden Matilde, Poi und vielen
anderen. Gleich im Anschluss wird Dr. Claas Riecken vom friesischen Radioverein
ffnr seinen Film über nordfriesische Sagen
aus der „märchenhaften“ Wiedingharde zeigen. Die Filmvorstellungen
beginnen um 15.00 Uhr.
Abkürzungen:
sölr. = Sölring (Sylterfriesisch)
fe.-öö. = Fering-Öömrang (Föhr-Amrumer Friesisch)
hal. = Halunder (Helgoländer Friesisch)
wirh. = Wiringhiirder freesk (Wiedingharder Friesisch)
moor. = Mooringer frasch (Mooringer Friesisch)
ngoosh. = Noordergooshiirder fräisch (Nordergoesharder Friesisch)
halifr. = Halifreesk (Halligfriesisch)
Redaktion dieser Ausgabe: Adeline Petersen, Christina Tadsen