Nordfriiskinstituut Bredstedt Info

Newsletter
en koon friisk ~ en kan friisk ~ en kon friisk ~ en kuon friisk

Der Newsletter des Nordfriisk Instituut zur friesischen Sprache, Geschichte und Kultur

Liebe Leserinnen und Leser,
hiermit erhalten Sie nun zum dritten Mal unseren Newsletteren koon friisk(eine Kanne Friesisch). Miten koon friiskwollen wir allen Interessierten in kurzen Abschnitten (sozusagen tassenweise) Wissenswertes, Informatives, aber auch Unterhaltsames überNordfriesland und die nordfriesische Sprache servieren. Viele Menschen sind in unserer Region an der Grippe erkrankt. Auch unsere Redaktion ist nicht davon verschont geblieben, und so haben wir aus gegebenem Anlass kurzerhand das Thema „Schnupfen & Erkältungen“ zu einem Bestandteil dieses Newsletters gemacht. Außerdem finden sie noch etwas zur bevorstehenden Krokusblüte in Husum und über nordfriesische Redewendungen.

Wir wünschen Ihnen wiederum viel Freude beim Lesen und hoffen auf Ihre Anregungen und Kommentare.

1. jest kop ~ iarst kop ~ iaars kop ~ iirst kop ~ jarst kop ~ eerst kop

sölr. kraank; fer.-öömr. kraank, hal. kroank wirh. krunk; moor. krunk; ngoosh. krunk; halifr. kronk

Zurzeit sind die Wartezimmer der Ärzte gut besucht und viele Arbeitsplätze leer, denn a schocht gungt am (die „Seuche“ geht um). Mit dem Wort schocht werden allgemein alle ansteckenden Krankheiten bezeichnet, in diesem Falle die grassierende Grippe. Viele Menschen leiden derzeit unter twung sküüren (Fieberanfall, Schüttelfrost), ferkeeling an hoodwark (Erkältung und Kopfschmerzen). Oftmals kam a kraankels tu hingst an gungt tu fut (die Krankheit zu Pferde und geht zu Fuß), denn schnell hat man sich die Grippe eingefangen, doch wird man sie leider nicht so leicht wieder los. Neben den klassischen Verhaltensweisen wie tu baad gung am a kraankels ütjtubruien (sich zu Bett legen, um die Krankheit auszuschwitzen), gibt es hier noch ein paar Tipps für Unerschrockene. En sword am a hals of üüb a brast lei (eine Schwarte um den Hals oder auf die Brust legen) z. B. soll bei festsitzendem Husten helfen, genauso wie bi en ferkeeling en höös am hals faan't lachter bian haa (bei einer Erkältung einen linken Strumpf um den Hals tragen). Es sollte an dieser Stelle jedoch angemerkt werden, dass die klinische Erprobung dieser Ratschläge noch auf sich warten lässt. All jenen, die zu Hause jemanden pflegen, sei gesagt härtrüm äs en ploaster foor ale siire stääre (ein weites Herz ist ein Pflaster für alle Schmerzen). Gud beedering!


2. taust kop ~ naist kop ~ tweet kop ~ uur kop ~ tweerd kop ~ tweed kop

Die Husumer Krokusblüte

Die Bezeichnung „Frühling“ steht seit Menschengedenken synonym für das Erwachen der Tier- und Pflanzenwelt aus dem langen Winterschlaf. Ein besonders beeindruckendes Beispiel dafür bietet die Husumer Krokusblüte. Jedes Jahr im Frühling verwandeln rund vier Millionen Krokusse die Wiesen des Schlossparks, der zur historischen Schlossanlage gehört, in ein lila Blütenmeer. In großen Scharen kommen Gäste von überallher, um dieses Schauspiel zu genießen. Die historischen Ursprünge dieses weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Phänomens liegen bis heute mehr oder weniger im Dunkeln. Einer über Jahrzehnte hinweg kolportierten Legende zufolge gehen die Wurzeln der Krokusblüte auf eine Initiative der Mönche des Klosters zurück, das um das Jahr 1500 herum an Stelle des heutigen Schlosses stand. Ein ob eines allzu weltlichen Fehltritts in Ungnade gefallener Mönch soll danach auf eine Bußreise geschickt worden sein, die ihn bis in die Schluchten des Kaukasus geführt hat. Von dort habe der reuige Sünder dann die ersten Krokuszwiebeln mit nach Hause gebracht. Die Klosterbrüder, deren Husumer Niederlassung nur wenige Jahrzehnte existiert hat, sollen dann aus Teilen der Blütenkronen Farbe für ihre Messgewänder gewonnen haben. Nachdem Botaniker vor etwa einem Jahrzehnt den Beweis erbracht haben, dass die Husumer Krokusart nicht aus dem Kaukasus, sondern vielmehr aus Italien stammt, ist klar, dass diese Geschichte wohl ins Reich der Fabeln und Legenden gehört. Viel wahrscheinlicher ist, dass eine der Modewellen, die im Laufe der Jahrhunderte über die herrschaftlichen Schlossgärten geschwappt sind, die Krokuszwiebeln dort angespült hat. Da der Schlosspark seit einer umfassenden Umgestaltung in den Jahren 1878/1879 im Stil eines englischen Gartens angelegt ist, ist eine direkte Verbindung zur historischen Bepflanzung nicht nachweisbar. Bekannt ist lediglich, dass der sich selbst überlassene Krokus sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom östlichen Teil des Parks aus über das ganze Gelände ausbreitete. Bei wem sich die Husumer Tourismusmanager für das prachtvolle Erbe bedanken dürfen, bleibt also weiter ein Geheimnis.

3. trer kop ~ traad kop ~ treed kop ~ der kop ~ treerd kop

Nordfriesische Redewendungen

Redewendungen gehören zu dem ganz eigenen Charme einer Sprache, aber sie sind nicht immer leicht zu verstehen, wie eine wörtliche Übersetzung des Satzes „diar san ik niks am“ (wörtlich: da bin ich nichts um) verdeutlicht, denn sinngemäß meint dieser Satz „ich bin dagegen“. Auch die Formulierung „diar komt niks efter“ (wörtlich: da kommt nichts nach) kann bei Unkenntnis zu Missverständnissen führen. Man will damit nicht ausdrücken, dass eine Sache abgeschlossen ist, sondern vielmehr, dass sie nicht einmal anfängt, denn „diar komt niks efter“ bedeutet „das lasse ich nicht zu/das erlaube ich nicht“. Und wenn jemand „ei gud as“ (wörtlich: nicht gut ist), glaubt man nicht, dass er seine Sache schlecht macht, sondern dass es ihm nicht gut geht, er sogar krank ist und man hofft, dass er „gau weler bikomt“, also sich schnell erholt und nicht „schnell wieder beikommt“, wobei auch immer. Hier noch einige weitere typische Formulierungen mit sinngemäßer deutscher Übersetzung.

Ik kön’ar ei jinuun.
Ich kann es nicht ertragen/vertragen.

Hi hee ham üüb a luur.
Er hat ihn im Verdacht.

Diar kaam hat gud faan uf.
Sie ist gut aus der Sache raus gekommen.

Hi sat diar böös mä tu.
Er ist mit einem Problem alleine gelassen worden.

Hat feit at ei raaget.
Sie schafft es nicht.


Es gibt natürlich noch sehr viel mehr von diesen Redewendungen, die man in vielen nordfriesischen Wörterbüchern finden kann. Viel Vergnügen beim Suchen.
Abkürzungen:
sölr. = Sölring (Sylterfriesisch)
fer.-öömr. = Fering-Öömrang (Föhr-Amrumer Friesisch)
hal. = Halunder (Helgoländer Friesisch)
wirh. = Wiringhiirder freesk (Wiedingharder Friesisch)
moor. = Mooringer frasch (Mooringer Friesisch)
ngoosh. = Noordergooshiirder fräisch (Norder Goesharder Friesisch)
halifr. = Halifreesk (Halligfriesisch)


Redaktion dieser Ausgabe: Antje Arfsten, Adeline Petersen, Fiete Pingel und Jens Ove Petersen







nordfriiskinstituut.de



Zurück zur Homepage

concon internet service 2003 - nordfriesland-online magazine


Diese Seite wurde am: 12.03.2003 16:29 aktualisiert.
Hergestellt mit Hilfe des Programms Fantastic Content Management 4.00 - concon Internet Service 2002 -
Anfragen von Webmastern erwünscht -info@concon.de Copyright 2002