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Das Neuste aus dem Nordfriisk Instituut Bredstedt
Gudai leew lidj,

dies ist die fünfte Ausgabe unseres Newsletters en koon friisk (eine Kanne Friesisch) vom Juni 2003. Das sommerliche Wetter gab den Ausschlag für das erste Thema: der Sommer in nordfriesischen Liedern.

In dieser Jahreszeit haben Ausflüge an den Busen der Natur Hochkonjunktur. Wer sich dabei für eine Wattwanderung entscheiden sollte, kann sich im zweiten Abschnitt dieses Newsletters schon mal vorab über einen der Bewohner dieser einmaligen Naturlandschaft informieren, und zwar über den Wattwurm.

Schließlich erfahren Sie im dritten und letzten Abschnitt einiges darüber, wie man im Friesischen mit dem Wörtchen 'wie' verfährt …

1. jest kop ~ iarst kop ~ iaars kop ~ iirst kop ~ jarst kop ~ eerst kop

sölr. Somer; fe.-öö. somer, hal. Sömmer wirh. sämer; moor. samer; ngoosh. samer; halifr. somer

Singen im Sommer
Spätestens mit dem Pfingstfest hat dieses Jahr der Sommer in Nordfriesland Einzug gehalten. Bei solch schönem Wetter kann einem leicht zum Singen zu Mute sein.
In nordfriesischen Liedern werden zwar häufiger die anderen Jahreszeiten besungen, doch gibt es auch eine Reihe sehr schöner Lieder, die den Sommer behandeln wie z. B. das nordfriesische Flaggenlied, „Gölj – rüüdj – ween“ von Albrecht Johannsen. Der Anfang lautet: moor. Göljn as e hamel di samereen, göljn as dåt eekerfälj, än göljn as dåt häär foon min Annemaleen, wat san we duch rik heer foon gölj. (Golden ist der Himmel an einem Sommerabend, golden ist der Acker, und golden ist das Haar meiner A., wie sind wir doch reich an Gold.) In dieser Strophe kommen auch gleich die meistbesungenen Seiten des Sommers in Nordfriesland vor, nämlich der Sommerabend und die Liebe.

Der Föhrer L. C. Peters schrieb dazu eigens das Lied „Somerinj“ (Sommerabend), dessen erste Zeile lautet: somerinj mä min leew foomen waanre ik suutjis auer't fial (Am Sommerabend wandere ich mit meinem lieben Mädchen langsam übers Feld.)

Das wohl am häufigsten verwendete Symbol für die Liebe ist die Rose, die ja auch zur Sommerzeit erblüht. Auf Helgoland singt man daher im Sommer das „Ruusenleet“ (Rosenlied) von Käte Pampel, wo es in der zweiten Strophe heißt: En ik ben soo moal en bliid, wet, di teenks om mi. Arken Ruus, soo riin es Siid, snakket feer fan di. (Und ich bin so stolz und froh, weiß, du denkst an mich. Jede Rose so rein wie Seide, spricht von dir.)

Diese Beispiele beweisen, Nordfriesen können romantisch sein.

Eine Liste der im Nordfriisk Instituut erhältlichen nordfriesischen Liederbücher können Sie unter boeke@nordfriiskinstiuut.de bestellen.


2. taust kop ~ naist kop ~ tweet kop ~ uur kop ~ tweerd kop ~ tweed kop

sölr. Eeswürem; fe.-öö. hääfwirem, wirh. suinwürm; moor. soonwörm; ngoosh. sounwärm; halifr. söönwöörm

Wattwurm

Im Watt lebt in großer Zahl ein bis zu einem Zentimeter dicker und bis zu 30 Zentimetern langer Ringelwurm. Als Wanderer kann man die großflächigen Watt- oder Sandpierwurmsiedlungen mit bis zu 30 Tieren pro Quadratmeter anhand der Kothäufchen und Einsturztrichter leicht erkennen.

Der Wattwurm bewohnt bis zu 30 Zentimeter tief in den Boden gegrabene L-förmige Gänge. Im waagerechten Teil liegend frisst er ein Gemisch aus Sand sowie Pflanzen- und Tierresten und ernährt sich von den Mikroorganismen, die auf der Oberfläche der Sandkörner wachsen. Dabei sackt Erde von oben nach, weshalb an der Wattoberfläche ein kleiner Einsturztrichter entsteht.

In einer Wattwurmsiedlung wird die nahrungsreiche oberste Sedimentschicht des Watts rund zehnmal im Jahr im Darm „verarbeitet“. Zur Ausscheidung der unverdaulichen Nahrungsreste schiebt er sich durchschnittlich alle 45 Minuten rückwärts nach oben, bis das Schwanzende die Bodenoberfläche erreicht, und legt seine typischen Kothaufen in Form von Sandschnüren („Sandspaghetti“) auf dem Watt ab.

Dieser Vorgang ist nicht gefahrlos, da seine natürlichen Feinde wie sölr. Skol (Scholle), Strönkr?b (Strandkrabbe), Lüüv (Austernfischer) und Riintiiter (gr. Brachvogel) zumindest Teile des Schwanzendes erbeuten können. Allerdings kann der Wattwurm die Hinterleibssegmente etwa sieben Mal ersetzen.

Quelle: Harry Kunz und Thomas Steensen: Sylt Lexikon, Neumünster 2002; zu bestellen auch beim Nordfriisk Instituut www.nordfriiskinstituut.de.


3. trer kop ~ traad kop ~ treed kop ~ der kop ~ treerd kop

Wie, oh wie heißt denn 'wie'?

Das deutsche Wort 'wie' hat zwei Hauptfunktionen. Als Umstandswort (Interrogativadverb) ist es fragend, und als Bindewort (Konjunktion) ist es vergleichend. Die erste Funktion sehen wir z. B. in dem Satz „Wie kommt das?“, die zweite in dem Satz „Er hat die gleiche Jacke wie sie.“

Im Friesischen hat jede dieser beiden Funktionen ein eigenes Wort. Wenn es fragend ist, heißt es (1.):

sölr. hur, fe.-öö. hü, hal. ho, moor. + wirh. + goosh. hü, halifr. hu

Wenn es vergleichend ist, heißt es (2.):

sölr. üs, fer. üüs, hal. es/as, moor. + wirh. + goosh. + halifr. as

Hierzu noch einige Beispiele:

Zu 1.: sölr. Hur breer es di Skaap (Wie breit ist der Schrank?), moor. Seed me iinjsen, hü’t deer as. (Sag mir mal, wie es dort ist.)

Zu 2.: wirh. Dü skeet uk ai lääwe as en hün. (Du sollst auch nicht leben wie ein Hund, d. h. du sollst es auch gut haben), fer. Hi daaget ap üüs Haliglun uun a mist (Er tauchte so plötzlich auf wie Helgoland aus dem Nebel.)

Eine solche Aufteilung ist für Friesischsprechende eigentlich kein Problem. Sie sollten die beiden Funktionen genauso gut unterscheiden können wie Engländer, Niederländer oder Skandinavier in ihrer jeweiligen Muttersprache. Dennoch macht sich im Friesischen eine Tendenz bemerkbar, in der üs/üüs/as abgelöst zu werden scheint durch hü, und zwar hauptsächlich am Anfang eines Satzes. So las ich vor kurzem: moor. Hü e noome ål säit, as …. (Wie der Name schon sagt, ist …)

'Hü' ist hier aber nicht fragend, sondern vergleichend. Richtig hätte es daher heißen müssen: moor. „As e noome ål säit, …“, und noch besser: „Sü as e noome ål säit, …“, denn das vergleichende 'wie' ist genau wie im Deutschen meistens verbunden mit 'so'. (Er ist so stark wie ein Bär.)

Ein weiteres Beispiel, in dem die beiden Funktionen verwechselt werden, ist der Ausdruck moor. „hü säid“. Zugegeben, es hat einige Zeit gedauert, bevor ich es akustisch verstand und begriff, dass damit „wie gesagt“ gemeint war. Die Niederländer sagen in diesem Fall „zoals gezegd“ („so als gesagt“). Und die Friesen? Nun, mein Vorschlag lautet: moor. sü as ål säid oder sü as ik ål sää.

Und nun habe ich noch einen ganz speziellen Fall. Wie heißt denn das 'wie' in Ausrufen? Ich meine z. B. in: „Wie schade!“ oder „Wie waren wir froh!“ In diesem Fall wird im Friesischen noch ein drittes Wort verwendet, nämlich wat oder wät. Es heißt also: moor. „Wat schandlik“ und wirh. „Wät würn wi weel!“


Abkürzungen:
sölr. = Sölring (Sylterfriesisch)
fe.-öö.= Fering-Öömrang (Föhr-Amrumer Friesisch)
hal.= Halunder (Helgoländer Friesisch)
wirh.= Wiringhiirder freesk (Wiedingharder Friesisch)
moor. = Mooringer frasch (Mooringer Friesisch)
ngoosh.= Noordergooshiirder fräisch (Norder Goesharder Friesisch)
halifr. = Halifreesk (Halligfriesisch)
Newsletter des Nordfriisk Instituut, Nr. 5, Juni 2003

Redaktion: Antje Arfsten, Adeline Petersen und Dr. Jens Owe Petersen

------------------------------ Nordfriesland 142 erschienen

Welchen Platz nehmen die Nordfriesen ein im Rahmen der vielgestaltigen europäischen Minderheitenlandschaft. Mit dieser Frage befasst sich Dr. Jørgen Kühl vom Apenrader Institut for Grænseregionsforskning in einem Hauptbeitrag der Vierteljahresschrift Nordfriesland, deren 142. Ausgabe soeben im Nordfriisk Instituut in Bredstedt erschien. Rolf Fischer, Vorsitzender des Europaausschusses des Kieler Landtags, zeigt in einem weiteren Beitrag Perspektiven der politischen Minderheitenarbeit auf. Dokumentiert werden „Grundsätze des Friesenrates“, die der friesischen Arbeit in der Region Nordfriesland einen festen Bezugsrahmen geben sollen. Der Vorsitzende des Friesenrates/Sektion Nord Ingwer Nommensen nimmt in einem Interview dazu Stellung. Neben aktuellen Berichten und Buchhinweisen bringt Nordfriesland 142 zum 90. Geburtstag des auf Sylt ansässigen Malers Siegward Sprotte zudem einen Text des Sylt-Kenners Dr. Manfred Wedemeyer. Das Heft umfasst 32 Seiten, kostet 3,00 Euro und ist erhältlich über den Buchhandel oder direkt beim Nordfriisk Instituut in Bredstedt.





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Nordfriisk Instituut leistet landesweiten Beitrag zur Landwirtschaftsgeschichte

Seit 1996 beherbergt das Nordfriisk Instituut in Bredstedt ein Projekt in seinen Mauern, dem man einen kaum vorhersagbaren Erfolg bescheinigen darf. Unter seinem Bearbeiter Dipl.-Soz. Harry Kunz mauserte sich das einstige „Höfe-Archiv Nordfriesland“ zum Projekt „Wegweiser zu den Quellen der Landwirtschaftsgeschichte Schleswig-Holsteins“. Initiiert und gefördert wurde und wird die Arbeit von Staatssekretär a. D. Brar C. Roeloffs.

Soeben stimmte die Förderinstitution, die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, einem weiteren Projektabschnitt zu.

Nach den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen, Schleswig-Flensburg und Ostholstein wird Kunz sich in den nächsten beiden Jahren mit den Quellen der Landwirtschaftsgeschichte des Kreises Plön befassen. Damit beweist das vergleichsweise kleine und an eine eng gefasste Aufgabenstellung gebundene Institut nachhaltig sein „Rüm Hart, klaar Kiming“ – sein weites Herz und seinen klaren Horizont. Warum auch sollte man ein Erfolgsrezept für Nordfriesland nicht dem ganzen Land zur Verfügung stellen? Dies wurde nur möglich, und damit stehen und fallen zusehends mehr Arbeitsbereiche des Nordfriesischen Instituts, durch die großzügige Förderung aus Drittmitteln. Den ureigenen Aufgaben, der Pflege und Förderung der friesischen Sprache, Geschichte und Kultur, entstand dank der Kieler Stiftung keine Konkurrenz bei der Verteilung der knappen Mittel.

Die Kunzschen Wegweiser, Bücher von rund 300 Seiten, helfen vor allem Menschen aus der Gruppe der Ortschronisten und der Haus- und Höfeforschung, sich in den großen Archiven schneller zurechtzufinden. „Die Geschichte einzelner Höfe und Häuser bietet ,Geschichte im Mikrokosmos‘. Sie macht vergangene Ereignisse und Geschehnisse konkret nachvollziehbar.

Das Nordfriisk Instituut möchte möglichst viele Menschen anregen, sich mit der Vergangenheit ihres Hofes oder Hauses zu beschäftigen“. Mit diesen Worten schickte Institutsdirektor Prof. Dr. Thomas Steensen das Projekt einst auf den Weg. Seine Hoffnung, ein Modell für ganz Schleswig-Holstein zu erstellen, hat sich mehr als erfüllt.






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