Städte in den Frieslanden Info

5. Historiker-Treffen des Nordfriisk Instituut im Husumer Rathaus
HUSUM (NfI). West-, Ost- und Nordfriesland sind ländlich geprägte Küstenregionen. Rechte und Freiheiten waren hier vor allem mit der wirtschaftlichen und politischen Stärke der Marschbauern verknüpft. Städte entwickelten sich relativ spät und gewannen nur phasenweise eigenständige Bedeutung. So ein Fazit beim 5. Historiker-Treffen des Nordfriisk Instituut, zu dem das Institut anlässlich des 400-jährigen Husumer Stadtrechtsjubiläums in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte in den Ratssaal des Husumer Rathauses geladen hatte.

Zum ersten Mal war bei dieser Gelegenheit die Entwicklung der Städte in den Frieslanden Thema einer vergleichenden wissenschaftlichen Betrachtung. Das betonte Prof. Dr. Thomas Steensen vom Nordfriisk Instituut in seiner Einführung. Er dankte vor allem der Stadt Husum für die finanzielle Unterstützung, ohne die das Treffen nicht möglich gewesen wäre. Wenn die Menschen sich heute mit ihren Städten identifizieren sollen, müssen sie etwas wissen über deren historische Entwicklung. Aspekte dieses Zusammenhanges würdigten Husums Bürgervorsteherin Birgitt Encke, Nordfrieslands Landrat Dr. Olaf Bastian und Dr. Hellmut Körner, Staatssekretär im Kieler Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur in ihren Grußworten. Ingwer Nommensen, Präsident des Interfriesischen Rates, regte unter anderem an, dass Husum seine Funktion als Kreisstadt Nordfrieslands durch friesisch-deutsche Ortseingangstafeln hervorheben möge.

Die Rahmenbedingungen für die Entstehung von Städten entlang der südlichen und östlichen Nordseeküste schilderte in seinem Eröffnungsvortrag Prof. Dr. Jürgen Lafrenz, Geschäftsführender Direktor im Institut für Geographie der Universität Hamburg. An verkehrsgünstig gelegenen Stellen siedelten sich auch an der Nordseküste und an den zur Nordsee fließenden Flüssen Handelsleute und Handwerker an. Größere Entwicklungssprünge gingen dann zu meist, so der Referent, auf gezielte Eingriffe von fürstlichen Landesherren zurück.

Nicht Stadtluft, sondern friesische Landluft macht frei. Dies erläuterte für Ostfriesland Dr. Hajo van Lengen, Direktor der Ostfriesischen Landschaft. Privilegien lagen dort bei den bäuerlichen Genossenschaften. In deren Rahmen entwickelten sich vom späten Mittelalter an die Städte. Die Städte Westfrieslands bezogen ihre ökonomische Kraft aus der Landwirtschaft ihrer Region, dies arbeitete der an der Universität Amsterdam tätige niederländische Sozialhistoriker Dr. Rolf van der Woude heraus. Die wirtschaftliche Macht konzentrierte sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts dann fern der Marschenküste zunehmend in den großstädtischen Zentren. Dem gut ausgebauten Kanalsystem in Friesland wendet sich jetzt besonders in strengen Wintern die Aufmerksamkeit zu, wenn beim „Alvestedetocht“ (Elf-Städte-Lauf) Hunderte von Schlittschuhläufern auf den zugefrorenen Wasserstraßen fast 200 Kilometer zurücklegen.

Vor allem am Geestrand und an Hafenplätzen bildeten sich auch in Nordfriesland die städtischen Orte heraus, so der Niebüller Geschichtsforscher Albert Panten in seinem Referat. Die eigentliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Stärke lag auch hier ursprünglich in der Marsch und nicht in den Städten. Anke Dellin von der Heimatkundlichen AG Stadt und Kirchspiel Garding, Christiane Thomsen von der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte, Klaus Schumacher von der Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte, Karl-Peter Kööp vom Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege, Beate Jandt vom Verein für Niebüller Geschichte, Claus Heitmann von der AG Orts-Chronik St. Peter Ording sowie Dr. Paul-Heinz Pauseback und Fiete Pingel vom Nordfriisk Instituut boten sodann kurze Porträts der Städte und städtisch geprägten Orte Nordfrieslands. Holger Borzikowsky, Vorsitzender der Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte, zog zum Abschluss eine erste Bilanz des Historiker-Treffens. Es habe kaum mehr sein können als ein Anfang, habe aber in jedem Falle zahlreiche Impulse für weitere Forschungen aufgezeigt.

(Text: Fiete Pingel)





Nordfriisk Instituut

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